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Seit März ist die DC-3 unterwegs auf ihrer Reise um die Welt. Im September findet sie in Sion ihren Abschluss.

Seit 77 Jahren startet, fliegt und landet das Flugzeug in allen Flughäfen der Welt. Bevor es jetzt unter Breitling-Farben unterwegs war, wurde es von sechs verschiedenen Fluggesellschaften genutzt und von der amerikanischen Armee während des Zweiten Weltkriegs eingesetzt. Seine Bezeichnung: DC-3-HB-IRJ.

Das Douglas Commercial Model 3 verliess am 12. März 1940 unter der Bezeichnung «Flagship Cleveland» mit der Werknummer 2204 die Douglas Aircraft in Santa Monica. «Damals bauten wir die DC-3 ohne Hilfe von Computern. Für das Design nutzten wir Daten der DC-1 und DC-2», erinnert sich Ivar Shogram, Chief Power Plant Engineer bei Douglas Aircraft Company.

«Nach den Testflügen nahmen wir jeweils Verbesserungen vor. Persönliche Innovation, Engagement und der Wille zum Erfolg waren die Kriterien. Wir arbeiteten rund um die Uhr». Ursprünglich war die Maschine für die American Airlines bestimmt, deren CEO Cyrus Rowlett Smith Douglas mit der Entwicklung der DC-3 beauftragt hatte. Aber das «Flagship Cleveland» erlebte das gleiche Schicksal wie der Patron. Während sich C.R. Smith 1941 als Oberst in den US Army Air Forces engagierte, übernahm die Armee das Flugzeug für ihre Truppentransporte.

Während des Kriegs war es in England stationiert. «Die verschiedenen zivilen und militärischen Versionen der DC-3 (C-47 und C-53), die Nachfrage der Fluggesellschaften und vor allem der Armee motivierten Douglas Aircraft zur Produktion von 20’703 Maschinen, davon über 16’000 Exemplare des DC-3-Modells», erklärt Francisco Agullo, ehemaliger Pilot und Leiter der Gruppe von Freunden, die das Flugzeug renovierten und schon die Breitling Super Constellation wieder flugfähig gemacht haben.

Zum Vergleich: In 47 Jahren produzierte Airbus insgesamt 10’000 Maschinen.

Im Jahr 2008 kauften Francisco Agullo und seine Freunde mit Unterstützung von Breitling die DC-3 HB-IRJ, überholten die Maschine und machten sie wieder flugtauglich. Zwischen 1940 und 2008 war das «Flagship Cleveland» in verschiedenen Funktionen unterwegs. Wie Tausende Modelle der DC-3 wurde es nach Kriegsende weiterverkauft.

1949 übernimmt die fünf Jahre zuvor gegründete Gesellschaft Trans Texas die Maschine um ihre Flotte aufzustocken. Von Dallas Fort Worth aus wird sie Flughäfen und Flugplätze des «Lone Star States» verbinden und oft abenteuerliche Landungen auf Gras- und anderen Pisten absolvieren.

1969, einige Monate nach der Umbenennung von Trans Texas in Texas International Airlines, wird der Flieger von Tradewinds überholt und bis 1987 von den PBA (Provincetown Boston Airlines) an der Ostküste für kommerzielle Flüge eingesetzt. Während einiger Monate fliegt die Maschine unter den Farben von Eastern Air Lines.

Anfang der 1990er-Jahre bringt Bar Harbor Airlines die Maschine nach Texas zurück. 1992 sind nur noch einige Hundert DC-3 in Betrieb und Champlain Air erwirbt das «Flagship Cleveland», um es einige Monate später vollständig zu renovieren. Damit endet auch die kommerzielle Karriere des Fliegers.

Die in Plattsburgh (NY) ansässige Firma ist auf die Renovation von DC-3 spezialisiert. Die Maschine, die nun Teil der Champlain-Air-Flotte ist und «Priscilla» genannt wird, fliegt nicht mehr oft. Es dauert bis Mitte der 2000er-Jahre, als sich ein paar Flugbegeisterte um Francisco Agullo versammeln, das Flugzeug kaufen und erneut total überholen.

«Wir mussten das Cockpit den europäischen Normen anpassen, die Kabine teilweise erneuern und die Maschine von Grund auf revidieren. Rumpf und Flügel wurden mit dem Logo und den Farben unseres Sponsors bemalt. Und schliesslich musste unsere DC-3 zertifiziert und in der Schweiz registriert werden, bevor wir die USA überhaupt verlassen konnten», erinnert sich Francisco Agullo.

Nach einer zweiwöchigen Reise und neunzehn Etappen via amerikanische Ostküste, Kanada, Grönland, Island, Dänemark und Frankreich gelangte der nach der Erfrischungskur jugendliche Veteran von Florida nach Genf. 45 Flugstunden kamen damit zu den Tausenden bereits absolvierten.

Aber auch nach dem Flug über den Atlantik ist von Ruhestand noch keine Rede. Flugshows, Tages- und längere Ausflüge für Privatpersonen, Events, Spiel- und Dokumentarfilme stehen auf dem Programm.

Am 2. Juni 2014 startete die Breitling DC-3 von Genf via Jura in die Normandie. Anlass war der 70. Geburtstag der Landung der Aliierten. Am D-Day nahm ein Dutzend Flugzeuge (DC-3, C-47, C-53, Lisunov Li-29) teil. «Nach dem Überflug der Strände der Normandie überquerten wir den Ärmelkanal und landeten in Lee-on-the-Solent in der Nähe von Southampton. Von diesem wichtigen Stützpunkt aus waren die Spitfire- und Mustangjäger Richtung Normandie gestartet. Allein am 6. Juni 1944 hatten sie 435 Einsätze absolviert», verrät Eugen Bürgler Aviatikspezialist und Teilnehmer dieses Erinnerungstages.

«In Erinnerung an die Landung der Aliierten in der Normandie hatten die Organisatoren eine möglichst grosse Zahl DC-3 versammelt und Fallschirmabsprünge auf die historischen Orte durchgeführt.»

Mit der Super Constellation sind es nun zwei Schmuckstücke der Aviatik, die unter den Breitling-Farben fliegen. Seit März ist die DC-3 unterwegs auf ihrer Reise rund um die Welt, die im September in Sion ihren Abschluss finden wird.

Die 77 Jahre alte Maschine ist die älteste, die noch einen solchen Exploit absolviert.