Märkte / Aktien

«Die Märkte können etwas höhere Zinsen gut verkraften»

Christel Rendu de Lint, von der Bank Vontobel erklärt, weshalb Stagflationsängste übertrieben sind und wie die Aktienmärkte mit weniger Geldspritzen auskommen.

Frau Rendu de Lint, die Inflation nimmt weiter zu, aber das Wirtschaftswachstum schwächt sich ab. Sind die Sorgen wegen einer drohenden Stagflation gerechtfertigt?
Nein, die Angst vor einer stagnierenden Wirtschaft mit hoher Inflation halte ich für übertrieben. Dass sich das Wirtschaftswachstum nach einer so starken Aufholbewegung etwas abflacht, ist normal. Die Inflation dürfte zwar für einige Zeit über dem Niveau der vergangenen Jahre und damit über dem Ziel der Notenbanken liegen, jedoch tendenziell nachlassen.

So temporär, wie die Zentralbanken und viele ­Ökonomen noch vor wenigen Monaten voraus­gesagt haben, ist der Inflationsanstieg aber nicht.
Der Inflationsschub ist in der Tat breiter und ­langwieriger als ursprünglich angenommen. Es sind viele Faktoren zusammengekommen. Zum einen ist es in einer konjunkturellen Erholung ­üblich, dass die Preise mit einer gewissen Verzögerung folgen. Zum anderen waren die Angebotsengpässe und die Lieferkettenprobleme nicht in dem Ausmass zu erwarten. Dazu kommen ein­malige Effekte auf dem Energiemarkt: zum Beispiel der windarme Sommer in Grossbritannien und Nordeuropa, der den Bedarf an Gas erhöht hat und so den Energiepreisanstieg verschärft.

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