Meinungen

Die Menschheit vermehrt sich munter

Die Uno prognostiziert eine Weltbevölkerung von 9,7 Mrd. bis 2050, 2 Mrd. mehr als heute. Das ist bedenklich. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Manfred Rösch.

«Es bedarf keiner prophetischen Begabung, um zu ahnen, dass der Drang der afrikanischen Jugend übers Mittelmeer noch ganz erheblich zunehmen wird.»

Heute bevölkern 7,7 Mrd. Menschen den Planeten und strapazieren seine Ressourcen. Schon 2050 dürften es 9,7 Mrd. sein und um die nächste Jahrhundertwende 11 Mrd. Das sind die aktuellen Schätzungen der Uno. Obschon die Fruchtbarkeitsrate insgesamt sinkt und das Bild sehr differenziert ist (in manchen Ländern schrumpft die Bevölkerung bereits), sind das beklemmende Aussichten. Der Mehrbedarf etwa an Trinkwasser, Nahrungsmitteln, Treibstoff, Strom – und Platz – ist gewaltig.

Der Bevölkerungszuwachs geht zwar nicht nur, aber häufig ausgerechnet in dysfunktionalen Staaten rasant vor sich. Die Hälfte der erwarteten Zunahme bis 2050 wird in neun Ländern stattfinden, in dieser Reihenfolge: Indien, Nigeria, Pakistan, Demokratische Republik Kongo, Äthiopien, Tansania, Indonesien, Ägypten, USA. Ausser den USA und ansatzweise Indien, allenfalls auch Indonesien, sind das äusserst mangelhaft bis miserabel organisierte Länder.

Das gilt ganz besonders für Subsahara-Afrika (von Botswana, Namibia und Südafrika noch halbwegs abgesehen). Nigeria zum Beispiel, mit derzeit rund 200 Mio. Einwohnern das volkreichste Land des Kontinents, wird bis 2050 auf etwa 400 Mio. wachsen und die USA als drittgrösstes Land ablösen (dannzumal nach Indien und China). Bis 2100 soll Nigeria, nur anderthalb mal so gross wie Frankreich, sogar die unvorstellbare Masse von 730 Mio. Einwohnern beherbergen, mehr als ganz Europa. Es bedarf keiner prophetischen Begabung, um zu ahnen, dass der Drang der afrikanischen Jugend übers Mittelmeer noch ganz erheblich zunehmen wird. Migration mag als politisches Thema in Europa auch schon explosiver gewesen sein, doch es wird garantiert wieder an Schärfe gewinnen.

Es gibt klimabewegte «Antinatalisten», die Kinderlosigkeit predigen, denn schliesslich hinterlassen alle Menschen einen ökologischen «Fussabdruck». Wer dieser Logik folgen will (statt Martin Luther, der selbst am vorletzten aller Tage noch einen Apfelbaum pflanzen wollte), müsste also in Süd- und Südostasien und vor allem in Afrika ans Werk gehen. In der Schweiz entsinne man sich der 2014 abgelehnten Ecopop-Initiative, die vorsah, einen Teil der Entwicklungshilfe für Verhütungszwecke einzusetzen.

Apropos Entwicklungshilfe: Hier ist anzusetzen. Armut und Kinderreichtum hängen eng zusammen; in armen, schlecht regierten plus hochkorrupten Ländern sind Kinder die lebende Altersvorsorge. Die einzige langfristig wirksame Strategie gegen nicht verkraftbare Bevölkerungszunahme ist wirtschaftliche Entwicklung, auf Basis von Bildung.

Dieses Ziel hat die traditionelle Form der (westlichen) Entwicklungshilfe namentlich in Afrika verfehlt. Oft scheint sie eher postkolonialistischer Gewissensberuhigung zu dienen und,  schlimmer, falsche Anreize zu setzen. Anders ist Folgendes nicht zu erklären: Als Ghana 1957 unabhängig wurde, war dort die Wirtschaftsleistung pro Kopf etwa gleich hoch wie im kriegsversehrten Südkorea. Heute ist sie das Vierzehnfache geringer.

Leser-Kommentare

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.
Willy Huber 21.06.2019 - 09:31
“…postkolonialistischer Gewissensberuhigung…”. Guter Artikel. Wann werden für die Europa und Welt weiten, Milliarden schweren Entwicklungshilfen (Deza, Uno, …) endlich rigorose Kontrollen durchgesetzt, damit das Entwicklungsgeld endlich in Bildung und Aufbau, Bevölkerungskontrolle etc. investiert wird, anstatt via totalitären Herrschern umgehend wieder in der Schweiz auf Bankkonten dieser Diktatoren zu landen? Ländern (und deren Alleinherrscher) , die infolge Armut Nachwuchs von mehr… Weiterlesen »