Märkte / Devisen

Die Nationalbank greift immer rigoroser ein

Massive Interventionen der SNB am Devisenmarkt halten den Franken etwas im Zaum.

Der Franken hat sich auch über die vergangene Woche zum Euro aufgewertet. Allerdings nicht so stark, wie man dies angesichts der massiven Verwerfungen an den Finanzmärkten hätte erwarten können. Somit war klar, dass der Retter in der Not – die SNB (SNBN 4780 -0.83%) – einmal mehr mit rigorosen Deviseninterventionen die Aufwertung abmilderte.

Nachdem an der ordentlichen Lagebeurteilung der Nationalbank vom vergangenen Donnerstag keine Leitzinssenkung vorgenommen worden war, wurde der heutige Bericht zu den Sichtguthaben der Banken bei der SNB mit Spannung erwartet.

Tatsächlich bestätigen die Daten von heute Morgen, dass die Nationalbank nicht zimperlich vorgeht. Die Sichtguthaben der Geschäftsbanken sind bis Donnerstag vergangener Woche um 5,8 Mrd. Fr. gestiegen. In der Vorwoche betrug der Anstieg noch 4,5 Mrd. Aktuell liegt der Wechselkurs zum Euro um 1.0545.

Das Total der Sichtguthaben ist somit auf nahezu 609 Mrd. Fr. geklettert. An der Entwicklung dieser Guthaben lassen sich die Devisenmarktinterventionen der SNB insofern ablesen, als die Zentralbank dabei Fremdwährungen von den Geschäftsbanken kauft und ihnen den entsprechenden Frankenbetrag auf deren SNB-Konten gutschreibt.

Einmal mehr ist das Mandat der Preisstabilität in Gefahr. Experten gehen von einer erneuten deflationären Phase der schweizerischen Wirtschaft in diesem Jahr aus. Der Zerfall der Energiepreise und die Frankenaufwertung sind die Haupttreiber dieser Entwicklung.

Im Jahr 2015 nach der Aufgabe des Mindestkurses gegenüber dem Euro kaufte die SNB Devisen für 86,1 Mrd. Fr. Im Jahr 2016 waren es dann Käufe für 67,1 Mrd. Fr. und 2017 für 48,2 Mrd. Fr. Im vergangenen Jahr gab es Käufe im Gegenwert von lediglich 2,3 Mrd. Fr. Der Franken-Euro-Wechselkurs hatte im April 2019 kurzfristig sogar die Marke von 1.20 Fr./€ überstiegen.

Das aktuelle Umfeld mit den «tektonischen Veränderungen» an den Finanzmärkten ist ein Testfall für das geldpolitische Konzept der SNB, das auf Negativzinsen und Devisenmarktinterventionen fusst. Die Statistiken zu den Sichtguthaben werden von grossem Interesse bleiben.