Ruanda ist das kommende angesagte Reiseziel der Superreichen, davon ist Beat Bopp, CEO der Zürcher Agentur Signature Travels, fest überzeugt. Er hat auch die Erklärung dafür: «Seit im Magazin ‹National Geographic› eine Reportage über diese Destination erschienen ist, klingelt das Telefon pausenlos. Alle Kunden wollen dorthin.» Auch Sophie Arbib, CEO von Exclusif Voyages in Paris, macht diese Erfahrung: «Das kleine, hügelige Land ist ein Kondensat des afrikanischen Kontinents. Attraktiv sind nicht nur Schimpansen und Nationalparks, sondern auch die Tatsache, dass die Region von den Touristenmassen verschont ist. Grosser Beliebtheit erfreuen sich dort der kristallklare Kivusee und die Teeplantagen.»

Kein Wunder steht Ruanda an der Spitze des aktuellen Reisebarometers von Traveller Made, dem weltweit grössten Netzwerk für Luxusreisen. Gründer Quentin Desurmont bestätigt die immer grössere Beliebtheit Afrikas. «Botswana, aber auch Äthiopien, São Tomé und Príncipe sind ebenso gefragt wie die Insel Nosy Ankao im Norden von Madagaskar.» Das Wüstenland Mauretanien wird nach zehn Jahren terroristischer Bedrohung und dank den von der Regierung eingeführten Sicherheitsmassnahmen zum neuen Paradies für reiche Reisende.

Small is beautiful

Auf den andern Kontinenten sind Georgien, Nicaragua, Kolumbien, Costa Rica, die kanadische Insel Fogo Island oder das Bohème-Dorf Comporta in Portugal die neuen Trenddestinationen. «Insider-Touristen interessieren sich für diese Regionen, die ihre Authentizität behalten werden», erklärt Manuel Chablais, Gründer von Ailes Voyages in Estavayer-le-Lac. «Dort sind nicht die mächtigen Luxushotelketten die Investoren, sondern atypische Persönlichkeiten mit ihrem eigenen Background, deren Projekte den lokalen Geist und Charme respektieren und bewahren.»

Ein Trend, den auch Quentin Desurmont bestätigt: «Es ist ein fundamentaler Wechsel im Gange. Die internationalen Luxushotels begeistern die Ultrareichen immer weniger. Diese bevorzugen heute kleine, unabhängige Hotels, die zwar den perfekten Service eines Fünfsternehauses bieten, aber eben mit einem besonderen Ambiente.» Der Gründer des Labels Traveller Made und der französisch-schweizerischen Agentur Peplum fügt hinzu: «Diese Touristen mischen nicht nur den Hotelsektor neu auf, sondern auch die Transportmittel.

Im Moment erkennen wir zwei grosse Tendenzen. Einerseits Ferienreisen auf einer gemieteten Jacht, denn man begnügt sich nicht mehr mit dem Aufenthalt im Liegestuhl am Strand, sondern erholt sich lieber auf dem Boot und steuert einsame Buchten oder unberührte Dörfer an. Der zweite sehr starke Trend sind Reisen um die Welt im Privatjet. Es gibt Millionäre, die ihr eigenes Flugzeug besitzen, andere mieten ein Maschine für einen Monat und fliegen die schönsten Destinationen des Planeten an.»

Quasi als Kontrapunkt zu unserer gestressten Gesellschaft, die es immer eiliger hat, positioniert sich Slow Travel ebenfalls an der Spitze der Hitliste 27% der vermögenden Globetrotter bezeichnen Entspannen als erstes Ziel, gefolgt von Kultur (20%), Abenteuer (18%), Geburtstagen und Hochzeiten (16%). Manuel Chablais stellt fest, dass der Trend generell Richtung Einfachheit geht. «Diese Reisenden sind auf der Suche nach einem kostbaren Gut: der Zeit. Sie wollen sowohl Zeit gewinnen als auch Zeit haben. Sie wünschen Weite, Natur, Zeit zum Durchatmen, und dies alles weit von den Menschenmassen entfernt.» Viele Reisende suchen die Chance, gefährdete Urwälder zu erkunden oder vom Aussterben bedrohten Tierarten zu begegnen.

Florierender Sektor

Bisher eher sekundär, nimmt nun auch die Gastronomie einen immer wichtigeren Stellenwert in der Wahl der Destination ein. Dies hat auch Yves Abitbol, CEO von MyConcierge, festgestellt: «Unsere Kunden träumen von kleinen, unbekannten Lokalen irgendwo in Bangkok oder Sydney, wo köstliche lokale Küche serviert wird. Sie wollen wie die Einheimischen essen. Ein Russe hat mich kürzlich gebeten, eine Liste mit den Lokalen zu erstellen, die von den Thailändern besucht werden. Die Ultra High Net Worth Individuals, UHNWI, lieben es, während ihres Aufenthalts wie die Lokalbevölkerung zu leben.» Es kommt auch vor, dass das einzige Ziel ihrer Reise ein gastronomisches Erlebnis ist, so Quentins Desurmont: «Wir sind zurzeit damit beschäftigt, das teuerste Essen aller Zeiten zu organisieren.

Es findet diesen Sommer in Versailles statt, zehn Personen werden daran teilnehmen. Kostenpunkt 700‘000 €. Liebhaber kostbarer Crus werden im Paradies sein, denn wir werden zehn Flaschen Romanée Conti kredenzen, wobei jeder Millésime auf die Zahl 9 endet.». Die Tatsache, dass solche Events stattfinden können, deutet darauf hin, dass es dem Luxustourismus glänzend geht. Letztes Jahr verzeichneten die Agenturen des Labels Traveller Made ein Wachstum von 18,1%. Ein Rekord.

Diejenigen, die für UHNWI-Familien Reisen organisieren, können sich schon jetzt über ein exzellentes 2018 freuen. «Im Laufe der letzten Jahrzehnte begeisterte man sich erst für Modekreateure, später für sternegeschmückte Chefs», erklärt der CEO der Agentur Peplum. «Heute sind die Reisedesigner angesagt. Sie sind die neuen Stars, die für die Reichsten der Welt unvergessliche Momente kreieren. In diesem Sinn haben wir auch das Konzept Haute Villégiature entwickelt, damit wir noch effizienter werden.»

Ein perfektes Angebot, das allerdings nicht ganz ohne Risiko ist. «Zwar ist die Weltwirtschaftslage hervorragend, aber man muss immer daran denken, dass Millionäre äusserst sensibel auf Gerüchte reagieren und bei geopolitischen Spannungen eine Region Knall auf Fall aufgeben», erklärt Yves Abitbol. «Ein neuer Krieg wäre natürlich das schlimmste Drehbuch für uns Reiseprofis, denn wir betrachten uns auch als Friedensstifter. Wer die Welt bereist, verfügt über mehr Toleranz.»

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