Blogs / Momentum

Die NZZ kann rechnen

Die NZZ lässt die «Neue Zürcher Zeitung» auf den Maschinen von Tamedia drucken. Was lange als undenkbar galt, wird möglich.

Praktikus

Was lange als undenkbar galt, wird möglich: Die NZZ-Gruppe schliesst ihr Druckzentrum in Schlieren. Sie wird die NZZ (NZZ 5000 0.5%) sowie die «NZZ am Sonntag» künftig von der Lokalrivalin Tamedia (TAMN 100.4 2.34%) – Mutterhaus der «Finanz und Wirtschaft» – drucken lassen.

In der Not frisst der Teufel Fliegen, ist man geneigt zu sagen. Rein ökonomisch macht der Deal freilich absolut Sinn: Es ist hinlänglich bekannt, dass im Zeitungsdruck in der Schweiz Überkapazitäten herrschen. Bisher scheiterte eine Kooperation aber an den Befindlichkeiten respektive den Animositäten zwischen Falken- und Werdstrasse: Die freisinnige NZZ von der linken «Tagi»-Gruppe drucken lassen? Undenkbar. Als ob Druckerschwärze politisch gefärbt sein könnte.

Nun, mit dem neuen Führungsteam an der Falkenstrasse – Etienne Jornod als VR-Präsident, Veit Dengler als CEO – ist Pragmatismus eingekehrt. Mir gefällt das, und ich erkläre Ihnen auch, wieso.

Zunächst gebe ich Ihnen hier aber ein privates Geständnis ab: Ich halte Aktien sowohl der NZZ-Gruppe wie auch von Tamedia. Zu meiner Arbeitgeberin gebe ich in diesen Spalten keine Empfehlung ab, aber die NZZ-Aktie erachte ich nach wie vor klar als unterbewertet. Die Titel sind im ausserbörslichen Handel zu unter 6000 Fr. zu haben; der in der Bilanz ausgewiesene Buchwert liegt um 9000 Fr. Der eigentliche Substanzwert der Aktie ist noch deutlich höher, denn das Gebäude an der Falkenstrasse ist in der Bilanz mit einem lächerlich niedrigen Wert ausgewiesen. Über den Daumen gepeilt beziffere ich den Substanzwert auf rund 14’000 Fr. je NZZ-Aktie. Eine rare Perle für einen Value-Investor wie mich.

Nun wissen wir freilich, dass dieser Substanzwert eine sehr theoretische Grösse ist, denn die Vinkulierungsbestimmungen verunmöglichen es, die NZZ-Gruppe aufzubrechen und die Immobilien zu verkaufen. Überdies gelingt es dem Unternehmen seit Jahren nicht, seine Kapitalkosten zu verdienen; es vernichtet also Aktionärswert.

Genau deshalb ist der Druckerei-Deal so interessant: Wie mir ein Vogel gezwitschert hat, soll damit ein hoher einstelliger Millionenbetrag pro Jahr eingespart werden. Im vergangenen Geschäftsjahr betrug der Ebit 30,6 Mio. Fr., was einer Ebit-Marge von 6,3% entspricht. Können nun mit dem Druckerei-Entscheid geschätzte 8 Mio. Fr. eingespart werden, würde sich die Ebit-Marge unter gleichen Bedingungen auf 8% erhöhen. Eine substanzielle Steigerung der Profitabilität. Daher: gut gemacht!

Leser-Kommentare