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Zum Thema: Jungfraubahnen: Unvollendete Meisterleistung

Die Person Adolf Guyer-Zeller

Voll kühnem Wagemut.

1894 ist für Adolf Guyer-Zeller ein Schlüsseljahr: Als Grossaktionär putscht er gegen die Führung der Nordostbahn und lässt sich als Präsident wählen, die Presse nennt ihn «Eisenbahnkönig». Er erhält die Konzession für die Uerikon-Bauma-Bahn, mit der er für seine Spinnerei Zugang zur Gotthardlinie schaffen will. Und er gründet die Guyer-Zeller-Bank zur Finanzierung der Jungfraubahn. Der sorgfältig planende Idealist verfolgt mehrere Projekte, die der Zeit voraus sind.

Zur Welt kommt Adolf Guyer am 1. Mai 1839 in Neuthal im Zürcher Oberland. Sein Vater besitzt eine Spinnerei und will einen «tüchtigen Industriellen aus ihm machen», wie er dem Sohn schreibt. Mit achtzehn Jahren studiert Guyer in Genf. Danach fährt er nach Paris, Marseille und ins englische Blackpool. Fasziniert von der Industrialisierung erwirbt er Spulmaschinen. Er denkt gross und plant akribisch. Gegenüber seinem Vater verteidigt er den Kauf vehement. Weiter reist er via Montreal über New York nach New Orleans. Vor seiner Rückkehr macht er einen Abstecher an den Suezkanal in Ägypten.

Zurück in der Schweiz heiratet er 1869 Anna Zeller aus einer angesehenen Zürcher Industriellenfamilie. Im selben Jahr wird er als Nachfolger seines Vaters in den Zürcher Kantonsrat gewählt. 1874 übernimmt er die Spinnerei. Guyer-Zeller disloziert in die Stadt und baut an der Bahnhofstrasse das Haus Gryffenberg. Akzeptiert wird der Aufsteiger vom Land aber nicht. Die Kirchgemeinde enteignet ihm die Bürgliterrasse, um die Kirche Enge zu bauen, obwohl andere Grundstücke zur Auswahl stehen. Da ihm der Kantonsrat nicht hilft, tritt er 1889 zurück. Seine politische Karriere erfährt ein jähes Ende.

Geschäftlich ist er geschickter. Während der Eisenbahnkrise in den 1870ern kauft Guyer-Zeller günstig Aktien der Nordostbahn. Als er mit seinen Plänen bei den eingesessenen Zürcher Familien auf Granit beisst, putscht er erfolgreich. Härte zeigt er auch gegenüber den Streikforderungen der Angestellten der Nordostbahn nach besseren Bedingungen.

Der dreifache Vater kann aber auch grosszügig sein. Er spendet Geld für Bildung, lässt im Zürcher Oberland Wanderwege anlegen und kümmert sich väterlich um seine Arbeiter bei der Jungfraubahn. Oft deponiert er Goldstücke im Tunnel, damit sie sich nach der Arbeit ein Bier gönnen können. Den Erfolg seiner Jungfraubahn erlebt Guyer-Zeller aber nicht mehr. Er stirbt am 3. April 1899 überraschend an Herzversagen – dreizehn Jahre vor Eröffnung der Bahn. Seine Bank überlebt im 20. Jahrhundert mehrere Besitzerwechsel und ist heute Teil der britischen HSBC-Gruppe.

Die komplette Historie zu Jungfraubahnen finden Sie hier. »