Zum Thema: Schindler: Vertikal zu neuen Horizonten

Die Person Alfred N. Schindler

Unabhängigkeit als höchstes Gut.

Alfred Niklaus Schindler (SCHP 256.50 +1.1%) hat den Konzern mehr geprägt als jeder seiner Vorgänger. Dabei scheut er das Rampenlicht der Öffentlichkeit. Er hat einen ausgeprägten Hang zum Understatement, auch zu feiner Ironie. «Das ist kein Ausflug für Süsswassermatrosen», kommentierte er vor einigen Jahren die epochale Verlagerung des Unternehmensschwerpunkts nach Asien.

Noch während des Studiums an der Wharton School im US-Staat Pennsylvania tritt er 1977 in den Verwaltungsrat ein, nachdem sein Vater unerwartet gestorben war. So unvermittelt Alfred N. Schindler Verantwortung übernehmen musste, auf den flüchtigen Erfolg hat er nie gesetzt. Nachhaltige Ziele haben stets Priorität vor kurzfristiger Gewinnmaximierung. Diese Haltung unterstreicht er zuletzt 2013, als er als VR-Präsident nach langem wieder selbst vor die Presse tritt: Das Margenziel wird zugunsten einer beschleunigten Expansion in Asien geopfert.

Mitte der Achtzigerjahre übernimmt Alfred N. Schindler als 36-Jähriger den CEO-Posten und bildet zusammen mit Uli Sigg und Luc Bonnard das exekutive Triumvirat. Mit ihnen sind alle drei Besitzerfamilien in vierter Generation am Ruder. Die internationale Expansion gewinnt an Fahrt. In der Ära Alfred N. Schindler summiert sich die Zahl der Akquisitionen auf über sechzig, verkauft oder abgestossen werden siebzehn Unternehmen.

Zudem werden fünfzig Produktionsstätten restrukturiert oder neu gebaut. Dabei gilt bis heute die Maxime: Unabhängigkeit kommt vor Ertrag, Ertrag vor Wachstum. Ohne Unabhängigkeit, ist der Patron überzeugt, kann sich ein Unternehmen nicht erneuern. So ist auch die von Schindler eine Geschichte der permanenten Erneuerung – und des permanenten Infragestellens. Erfolg ist für Alfred N. Schindler kein Ruhekissen: «Sobald man zufrieden ist, geht es bergab», sagt er. Ein Unternehmer komme nie am Gipfel an, weil der Berg stets wachse.

Der Schwerstarbeiter kommt auf sechzig bis siebzig  Arbeitsstunden pro Woche. Den nächsten Generationenwechsel hat er akribisch vorbereitet. Wie viele Aktien er kontrolliert, ist nicht bekannt. Sicher ist, dass sie in der Aktionärsgruppe bleiben. Von der fünften Generation ist (noch) niemand bereit, oberste Verantwortung im Geschäft zu übernehmen.

Ab 2017 wird kein Schindler mehr das Amt des VR-Präsidenten, noch das des CEO bekleiden. Es besteht aber Gewähr, dass Silvio Napoli und Thomas Oetterli die DNA des Unternehmens nach über zwanzig Jahren Führungstätigkeit bei Schindler in Fleisch und Blut übergegangen ist. Und der 1949 geborene Alfred N. Schindler bleibt im Verwaltungsrat.