Zum Thema: Swisscom: Der lange Abschied vom Monopol

Die Person: Carsten Schloter

Der Rastlose.

Zweifel gibt es keine, Carsten Schloter ist Swisscoms prägendste Figur. Von 2006 bis zu seinem Tod 2013 ist er der Lenker und Denker des Konzerns. Seine visionären Ideen und sein Charisma verleihen dem deutschen Manager Wirkungs- und Strahlkraft, die weit über das Unternehmen hinausreicht.

Als Tempomacher der gemächlichen, oftmals schwerfälligen Swisscom (SCMN 475.9 -1.1%) legt er sich vierzehn Stunden am Tag sechs Tage die Woche ins Zeug. Auch von den Leuten um sich herum verlangt er bedingungslosen Einsatz. Obschon getrieben, zuweilen verbissen, wirkt er stets offen und sympathisch.

Auch die Belegschaft mag ihn. Schloter entwickelt Swisscom auch kulturell weiter, führt das Duzen ein, verzichtet auf ein eigenes Büro. Er kontrastiert mit seinem farblosen Vorgänger Jens Alder, den er an der Swisscom-Spitze ablöst. Alder hatte sich nie als Identifikationsfigur für die Schweizer Bevölkerung angeboten. Nicht so Schloter.

Der Deutsche setzt sich mit Leib und Seele für den Staatskonzern ein. Vorstösse, die Swisscom heute noch erfolgreich machen, wie Swisscom TV, die Flat-Rate- und Bündelangebote oder auch die Akquisition von Fastweb, sind ohne Schloters Klarsicht und Entschlossenheit nicht denkbar. Bevor er 2006 den Topjob landet, leitet er fünf Jahre lang die wichtige Mobilfunksparte.

Zum Konzern stösst er zur Jahrtausendwende. In den Neunzigerjahren ist er für die deutsche Debitel tätig, die Swisscom später übernimmt; zuerst in Frankreich, später am deutschen Konzernsitz. Geboren wird er in Bayern, in der Kleinstadt Erlenbach am Main. Den Grossteil seiner Jugend verbringt er aber in Paris, studiert dort Betriebswirtschaft.

Daraufhin heuert er Mitte der Achtzigerjahre bei Mercedes-Benz in Frankreich an. Der eloquente Schloter beherrscht die deutsche, die französische und die englische Sprache nahezu perfekt. Den Ausgleich holt er sich im Extremsport. Doch nicht seine betrieblichen Verdienste werden sich in die kollektive Erinnerung einbrennen, sondern sein unerwartetes, brutales Ableben.

Der erfolgreiche Schloter, der für die bodenständige Swisscom eine Nummer zu gross schien, begeht im Juli 2013 Suizid. Er ist 49-jährig, lebt getrennt von Frau und drei Kindern. Er soll ein gespanntes Verhältnis zum VR-Präsidenten Hansueli Loosli gehabt haben. Die wahren Gründe für den Entschluss bleiben im Dunkeln.

In einem Interview kurz vor dem Tod sagt er mit für einen Manager ungewohnter Offenheit: «Es kommt irgendwann ein Punkt, wo Sie das Gefühl bekommen, nur noch von einer Verpflichtung zur nächsten zu rennen, das schnürt Ihnen die Kehle zu.»

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