Zum Thema: Straumann: Mehr als einen Zahn zugelegt

Die Person: Fritz Straumann

Der unermüdliche Unternehmer.

Die Grundsteine für das Dentalunternehmen und die Orthopädiefirma Medartis (MED 39.75 -0.13%) legte vor allem Thomas Straumann (STMN 849.2 -0.33%). Doch von seinem Vater Fritz stammte der Unterbau, nicht nur für diese Unternehmen, sondern auch für den Orthopädiespezialisten Synthes/Stratec (heute Johnson & Johnson (JNJ 127.7 -6.22%)). Alle diese Medtech-Unternehmen profitierten vom Know-how des Instituts von Reinhard Straumann, an dessen Gründung 1954 Sohn Fritz aktiv mitbeteiligt war.

1921 geboren, schliesst er eine Ausbildung zum Ingenieur am Technicum Neuchâtelois in Le Locle ab und beginnt zunächst als Laborleiter des Instituts. Der Erwartungsdruck ist hoch. Sein Vater Reinhard Straumann, als stattliche Person beschrieben, verfolgt eine harte Linie und hat hohe Ansprüche an seine Mitarbeitenden. Fritz Straumann wird dadurch angespornt. Nach dem Tod seines Vaters 1967 wird er Präsident und wissenschaftlicher Leiter des Instituts.

Während Reinhard Straumann, ein rastloser Tüftler, nie ohne Kamera und Messgerät unterwegs war, hat sein Sohn eine weniger ausgeprägte erfinderische Ader – er will als Unternehmer etwas bewegen. Kurz nach ihrer Gründung Ende der Fünfzigerjahre kommt er mit der auf die Behandlung von Knochenbrüchen spezialisierten Arbeitsgemeinschaft für Osteosynthesefragen (AO) zusammen, heute ein Netzwerk von 16 000 Chirurgen. Daraus entwickelt sich eine sehr fruchtbare Zusammenarbeit. Straumann wird mit der Marke Synthes zu einem führenden Hersteller von Osteosynthese-Implantaten.

Gegen Ende der Sechzigerjahre knüpft Fritz Straumann Kontakte mit der Zahnmedizin. In Kooperation mit zahnärztlichen Universitätskliniken, vor allem der von Bern, wird ein neuartiges System von Zahnimplantaten entwickelt.

Von seinem Vater geerbt hat Fritz Straumann die Faszination für das Skispringen, auch wenn er selbst im Gegensatz zu diesem nicht von der Schanze hinunterfliegt und auch keine bauen lässt. Nach wie vor geht es aber um Aerodynamik, Materialversuche und Tests im Windkanal mit dem Kader der Nationalmannschaft. In den Siebzigerjahren profitieren davon auch die Alpinen: Mit von Straumann entwickelten, weniger Luftwiderstand bietenden Kugelskistöcken gewinnt Roland Collombin 1973 in Garmisch-Partenkirchen.

1988 stirbt Fritz Straumann unerwartet, wenn auch nach dem vierten Herzinfarkt nicht ganz überraschend. «Er lebte für das Institut und hat nicht sehr auf sich achtgegeben», sagt sein Sohn Thomas Straumann, der früh Verantwortung im Unternehmen übernimmt.

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