Zum Thema: Rieter: Nicht immer fadengerade

Die Person: Heinrich Rieter-Ziegler

Unternehmer, Ständerat, Oberst.

Am Nationalfeiertag 1851 stirbt Heinrich Rieter (RIEN 136.7 -0.15%) im Alter von 63 Jahren an einer Lungenlähmung. Sein Sohn Heinrich (1814–1889) trägt unvermittelt allein die Verantwortung für die Rieter Maschinenfabrik. Doch nun kann der Vertreter der dritten Generation seine vielfältigen, während zahlreicher Auslandaufenthalte erworbenen Spinnereikenntnisse in das Familienunternehmen einbringen.

In der Folge profitiert Heinrich Rieter-Ziegler davon, dass sich in Wirtschaft und Politik nach dem Entstehen des Bundesstaats 1848 liberale Ideen durchsetzen und viele Schranken in Handel und Verkehr wegfallen.

Zudem erweist er sich als gewiefter Unternehmer, der die Maschinenfabrik rastlos weiterentwickelt. Auf religiöse Befindlichkeiten nimmt Heinrich II nur bedingt Rücksicht.

In der übrig gebliebenen Kirche auf dem ehemaligen Klostergelände, auf der die Maschinenfabrik gebaut ist, installiert er eine Kranbahn für die Montage – das gefällt selbst im reformierten Winterthur nicht allen, wie die Chronik anmerkt.

Unter Führung von Heinrich Rieter-Ziegler verlagert sich das Gewicht mehr und mehr auf den Bau von Baumwoll-Spinnmaschinen. Schon damals legt er Wert darauf, dass alle Teile mit grösstmöglicher Sorgfalt ausgearbeitet werden. Darum finden die Maschinen auch im Export wachsenden Absatz, obschon sie im Vergleich zur Konkurrenz bis zu 20% teurer sind.

Ausserdem bringt der Unternehmer seine wirtschaftliche Erfahrung in anderen Unternehmen ein. Unter anderem wird er Verwaltungsrat der Bank in Winterthur (später SBG bzw. UBS (UBSG 13.615 -1.55%)) und erster VR-Präsident der Unfallversicherung Winterthur (heute Axa Winterthur).

Nach dem Tod von Alfred Escher rückt er zum Präsidenten der Gotthardbahn auf. Heinrich Rieter-Ziegler, Vater von vier Söhnen, findet auch noch Zeit für öffentliche Aufgaben. Im Militär wird er als Oberst Waffenchef der Kavallerie des Kantons Zürich.

Ausserdem engagiert er sich auf der politischen Ebene: 1852 bis 1869 und 1872 bis 1875 sitzt er als Liberaler im Zürcher Kantonsrat, nach 1878 im Ständerat. 1869 wohnt er als Delegierter des Bundesrats der Eröffnung des Suezkanals bei. Einige Jahre später handelt er mit Italien im Auftrag der Eidgenossenschaft einen neuen Handelsvertrag aus.

Als Pioniertat erweist sich auch der Entscheid des Firmen­patrons, 1852 mit dem Bau einer Arbeitersiedlung mit frei stehenden Doppeleinfamilienhäusern samt Garten zu beginnen – der ersten dieser Art in der Schweiz. Wie das Unternehmen besteht die Siedlung heute noch, mehrfach renoviert.

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