Zum Thema

Die Person: Jacob Schmidheiny

Der Ziegler von Heerbrugg.

Die Zürcher Ziegeleien und die Industrie-Dynastie Schmidheiny haben den gleichen Ursprung: ein einfacher Mann aus dem St. Galler Rheintal namens Jacob Schmidheiny. Er kommt 1838 als Sohn eines Schneiders in Balgach zur Welt. Ein schwächlicher Junge, der wegen einer frühen Pockenerkrankung schlecht gehen kann. Trotzdem packt er in Haus und Stall an. «Von früher Jugend an habe ich hart arbeiten müssen. Dadurch wurden zwar meine Kräfte gestählt; aber ich hatte zu Zeiten viel zu schmal gegessen», schreibt er später.

Jacob möchte der Armut zu entfliehen und hat einen Traum: Fabrikant! Der Einzelgänger verlässt mit vierzehn Jahren die Schule, um Geld zu verdienen. Nach kurzer Lehrzeit wird er zunächst Weber in Teufen. Als ihm das berufliche Fortkommen wegen fehlender Schulbildung verwehrt bleibt, holt er Mitte zwanzig die Realschule nach. Er kehrt an die alte Wirkungsstätte zurück, nun als Direktor. Er lässt sich den invaliden Fuss operieren und gründet eine Seidenweberei an seinem Heimatort – ein Verlustgeschäft. Um seinen Fabriktraum zu realisieren, geht Jacob voll ins Risiko.

Er kauft auf Pump das Schloss Heerbrugg einem dort einquartierten deutschen Professor ab. Das Schloss hat eine eigene Ziegelei, und so wechselt Jacob spontan das Gewerbe und wird Ziegelfabrikant. Der arbeitswütige Jacob legt selbst Hand an, fertigt Röhren, Ziegel und Backsteine. Im selben Jahr 1867 heiratet er Elise Kaufmann, die ihm zwei Söhne schenkt. Der Erstgeborene, Ernst, wird das Zementimperium der Schmidheinys begründen, aus dem später Holderbank, Holcim und LafageHolcim entstehen. Der Zweitgeborene, Jacob, wird die Konsolidierung des Schweizer Ziegeleimarkts vorantreiben, aus dem 1912 die Zürcher Ziegeleien hervorgehen. Um seinen Söhnen die Nachteile mangelnder Schulbildung zu ersparen, schickt er die Buben ans Gymnasium, Jacob an die ETH. Jacob Senior pröbelt derweil ständig, verbessert die Effizienz seiner Ziegeleien.

Eine entsteht am Fuss des Schlosses, eine zweite kauft er im St. Galler Espenmoos, später kommen weitere hinzu. Trotz unermüdlicher Arbeit findet Jacob Zeit für Schul- und Kirchenrat, sitzt im Balgacher Gemeinderat, in der evangelischen Synode, im Grossen Rat. Nach aussen erfolgreich, ist der Schlossherr von Heerbrugg aber zeitlebens verschuldet: «Ich sehne mich unendlich, aus den Geldsorgen herauszukommen», hält er fest. Jacob stirbt, wie er es sich ausgemalt hatte, mitten in der Arbeit, «wie ein Soldat bei seinem Geschütz». Am 18. Februar 1905 ist es so weit. Bei einem Besuch seiner Ziegelei Espenmoos hört sein Herz auf zu schlagen.