Zum Thema: Zehnder: Tüfteln, werkeln und erfinden

Die Person: Jakob Zehnder

Stammvater der S’Mechanikers.

«Von Oscar Merz für 1 Fläschli Gummilösung 80 Cts.» und «Dem Stuber sein Velo geputzt fr. 4.» Das notiert Jakob Zehnder (ZEH 34.6 3.28%), der 1855 geborene Stammvater der Unternehmerfamilie Zehnder, gegen 1895 in das Geschäftsbuch seines Velohandels mit Werkstatt für Reparaturen aller Art.

In seinem «Taschen-Notizbuch für Handwerker und Gewerbetreibende» sind auch grössere Geschäfte zu finden, wie etwa der Verkauf von in Frankfurt produzierten Adler-Velos, die 245 bis 330 Fr. kosten.

Den Velohandel und die Werkstatt zieht Jakob auf, während er hauptberuflich als Mechaniker beim Musikdosenfabrikanten Adolf Karrer im aargauischen Unterkulm arbeitet. Zwischen 1895 und 1896 macht er sich ganz selbständig.

Zum Velohandel kommt die Vertretung von Schreibmaschinen (Adler) und Nähmaschinen (Veritas). Mittelpunkt ist das Wohnhaus mit Scheune und Werkstatt in Gränichen. Seine Frau Margaritha bringt zwischen 1883 und 1900 neun Knaben auf die Welt, von denen zwei bereits als Kleinkind sterben.

Anfang des 20. Jahrhunderts wird das Handelsgeschäft ausgedehnt, etwa um Waschmaschinen und Motorräder. In dieser Zeit kommt mehr Dynamik auf. Das ist auch seinen zwei Söhnen Jakob junior und Arnold zu verdanken, die nach einer kaufmännischen Lehre im Ausland Erfahrungen sammeln.

Die übrigen Brüder sind Mechaniker. Alle sieben helfen, soweit nicht in Ausbildung oder im Ausland, im väterlichen Betrieb und entwickeln immer mehr Unternehmergeist. Das bringt der Familie in der Region den Übernamen «S’Mechanikers» ein.

1911 beordert Jakob seinen ältesten Sohn, Jakob junior, aus England zurück. Die Mechaniker Otto und Erwin konstruieren derweil die verschiedensten Produkte. Mit diesen drei Söhnen gründet Jakob senior am 1. März 1912 die J. Zehnder & Söhne.

Kern bleiben die Werkstatt (Fabrikation patentierter Artikel) und der Handel (Velos, Motorräder, Autos). Vater Jakob übergibt ab seinem 63. Lebensjahr (1918) mehr und mehr Verantwortung an die Söhne, behält aber weiter die Vertretung für die Adler-Velos.

Der Stammvater trägt 1924 die Umwandlung der Gesellschaft in eine AG mit und erlebt den Aufstieg der Zehnder-Kleinmotorräder – aber auch den Niedergang der «Zehnderli». Dann sieht er noch, bevor er 1939 stirbt, wie seine sechs Söhne mit der Gebrüder Zehnder 1931 das Fundament eines neuen Unternehmens für den Rest des Jahrhunderts legen: die Erfindung und die Patentierung der Stahlrohrradiatoren.

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