Zum Thema: Was das E-Auto bremst

Die Rohstoffe für Elektroautos stellen ein grosses Problem dar

Für Elektrofahrzeuge braucht es spezifisch auf den Elektroantrieb und die Batterien ausgerichtete Rohstoffe. Dazu zählen etwa Kupfer, Lithium, Kobalt. Nickel, Grafit und Neodym. Doch einige dieser Rohstoffe sind knapp oder die Herkunftsländer und Abbauumstände problematisch.

Die UBS (UBSG 9.974 0%) hat ausgerechnet, wie sich der Bedarf an bestimmten Rohstoffen verändern würde, wenn die Welt zu 100% aus Elektrofahrzeugen bestünde. Die Nachfrage nach Lithium etwa stiege gegenüber heute 2511%, der Bedarf an Kobalt 1928%. Grafit, Nickel und Seltene Erden, darunter Neodym, verzeichneten Nachfragezuwächse von 100% und mehr.

Eine so hohe Nachfrage bleibt nicht ohne Auswirkung auf die Reserven der Rohstoffe. So würde in einer zu 100% aus Elektrofahrzeugen bestehenden Welt die Nachfrage eines Jahres nach Kobalt die Vorräte gut ein Drittel schwinden lassen. Beträchtliche Schwünde ergäben sich auch bei Aluminium (–10%) und Lithium (–7%).

Natürlich ist eine Welt, die zu 100% aus Elektrofahrzeugen besteht, ein unwahrscheinliches Szenario. Es macht aber deutlich, dass die Nachfrage nach bestimmten Rohstoffen gross ist, wenn die E-Mobilität so kräftig an Bedeutung gewinnt, wie allgemein angenommen wird. In der Versorgung mit den Rohstoffen könnte es dabei zu Problemen kommen, wie an drei Beispielen gezeigt werden soll.

Als knappe Rohstoffe gelten – der Name sagt es – die Seltenen Erden, im Fall der E-Mobilität besonders das Metall Neodym. Es wird für Hochleistungsmagnete gebraucht, die für eine besonders effiziente Energieumwandlung im Elektromotor sorgen. Dabei geht es um rund 500 bis 1000 Gramm Neodym pro Elektromotor. Das Problem: Seltene Erden sind nicht nur rar, sondern auch noch schwer zu bekommen. Denn der Hauptlieferant China hat die Ausfuhr beschränkt. Das ist problematisch, weil 97% der Seltenen Erden aus dem Reich der Mitte kommen.

Kobaltabbau im Gerede

Zu reden geben auch die Abbaubedingungen bei diesen als Gold (Gold 1872.56 0.25%) der Zukunft bezeichneten Metallerzen. Beim Schürfen nach Seltenen Erden entsteht giftiges Abwasser, das – wenn nicht sorgfältig entsorgt – die Landschaft und das Grundwasser verschmutzt.

Schwierig ist die Lage auch bei Kobalt. Dieses Element wird in immer grösseren Mengen für Batteriekathoden eingesetzt. Die Hauptabbaugebiete von Kobalt liegen in Zentralafrika und dort vor allem im Krisenstaat Kongo. Verpflichtende Sozial- und Umweltstandards für den Bergbau gibt es in diesem Land nicht, Kinderarbeit und illegaler Abbau sind an der Tagesordnung. Und jetzt hat auch noch die Regierung des Kongo entdeckt, dass das Land über gefragte Rohstoffe verfügt. Sie will deshalb die Steuern auf dem Abbau der Rohstoffe erhöhen.

Der Schweizer Rohstoffkonzern Glencore (GLEN 170.18 0.59%) geht davon aus, dass im Jahr 2030 jährlich über 300 000 Tonnen Kobalt benötigt werden. Das wären mehr als 300% der Jahresproduktion von 2016. 2017 bestand ein Angebotsdefizit von rund 10%. Glencore-CEO Ivan Glasenberg warnte die Hersteller von Elektrofahrzeugen, dass in den nächsten Jahren ein Angebotsengpass in Kobalt drohe.

Nicht viel besser ist die Situation bei Lithium. Dieses Leichtmetall ist Basisbestandteil von Fahrzeugbatterien mit hoher Energiedichte. Es kommt zwar in der Erdkruste häufig vor und ist gleichmässig verteilt, kann aber nur an wenigen Stellen der Erde gewonnen werden. Die grössten Vorkommen befinden sich in Südamerika, Australien und – wiederum – China.

Hohe Lithiumnachfrage

Die Analysten von HSBC (5 286.55 -0.23%) erwarten, dass die Lithium-Nachfrage in 2025 mit 420 000 Tonnen zweieinhalbmal so hoch ist wie heute. Damit diese Nachfrage gedeckt werden kann, müsste jedes Jahr ein grösseres Lithium-Förderprojekt in Betrieb gehen – ein schwieriges Unterfangen angesichts der Tatsache, dass Lithium-Projekte in der Vergangenheit wenig Erfolg hatten oder oft nur mit Verspätung realisiert werden konnten.

Angesichts der Knappheit bestimmter Rohstoffe, die für die E-Mobilität benötigt werden, hat sich ein regelrechter Wettlauf über den Zugang zu diesen Ressourcen entwickelt. Sehr aktiv sind dabei chinesische Unternehmen. So sicherte sich GEM Mitte März rund ein Drittel der Kobaltproduktion von Glencore in den nächsten drei Jahren. GEM ist einer der grössten Produzenten von Chemikalien und Metallen für Batterien. Glencore ist bei der Förderung von Kobalt mit einem Marktanteil von 27% globaler Marktführer.

Für Aufsehen sorgt auch der eben über die Bühne gegangene Kauf eines Anteils von 24% an SQM, Chiles grösstem Lithium-Produzenten, durch Tianqi Lithium. Das chinesische Unternehmen zahlte dafür 4,1 Mrd. $. Verkäufer des Pakets war der kanadische Düngerkonzern Nutrien. Mit dem Erwerb des Anteils erhält Tianqi einen beherrschenden Einfluss auf das weltweite Lithium-Angebot. Das Unternehmen ist dank seiner Talison-Lithium-Mine in Westaustralien bereits einer der grössten Anbieter des Batterierohstoffs. SQM wiederum ist der Lithiumproduzent mit den global niedrigsten Gewinnungskosten und könnte bis 2025 gemäss Schätzungen über die Hälfte der Nachfrage nach dem Metall decken. Die Transaktion mit Tianqi war in Chile umstritten, weil befürchtet wurde, es könnte ein Angebotsmonopol entstehen.