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Die schlechten Fintech-Gründer

Die etablierten Finanzhäuser haben sich in der Fintech-Welt oft nicht erfolgreich gezeigt. In der Schweiz gibt es ein paar wenige Ausnahmen.

Pascal Meisser

Für immer mehr grosse Unternehmen aus der Finanzbranche gehört es zum guten Ruf, in der Welt der Finanztechnologie (Fintech) an vorderster Front mitspielen zu können. Nur zeigt sich immer wieder, dass das sogenannte Corporate-Umfeld kaum kompatibel ist mit dem meist etwas speziellen Wind, der in der kreativen und unkonventionellen Gründerszene weht.

Das jüngste Beispiel hat sich am Freitag in Grossbritannien abgespielt. Die Royal Bank of Scotland (RBS) hat neben den Zahlen zum ersten Quartal beiläufig bekannt gegeben, dass sie ihre eigene Challenger-Bank einstampft – nach gerade mal sechs Monaten Lebensdauer. Bó, wie sie ihr internes Start-up nannte, hätte die aufstrebenden Neubanken wie Revolut oder die in Grossbritannien dominierende Monzo konkurrenzieren sollen. Ein schwieriges Unterfangen jedoch, wenn man ein Risikoprojekt und das Denken in Quartalszahlen vereinen sollte.

Mit diesem abrupten Abbruch steht die RBS in guter Gesellschaft. Auch die Schweizer Grossbank UBS (UBSG 11.195 1.68%) hatte vor knapp zwei Jahren ihrem Prestigeprojekt im Fintech-Bereich abrupt den Stecker gezogen. Smartwealth hiess ihr Robo Advisor, mit dem sie anfänglich den britischen Markt aufrollen wollte. Nach achtzehn Monaten verkaufte die Bank Smartwealth an die US-Fintech-Bude SigFig. Kurzfristig habe man zu wenig Potenzial gesehen, um das Geschäft profitabel betreiben zu können, sagte UBS damals.

Innovationen haben es unternehmensintern schwer

Auch wenn sich heute viele Unternehmen damit brüsten, Platz für Innovationen einzuräumen und in den eigenen Büros Start-up-Mentalität zu erlauben, stellt sich die Frage, ob grosse Gesellschaften – wie RBS, UBS und wie sie alle heissen – überhaupt in der Lage sind, grössere, unkonventionelle, bis zu einem gewissen Grad unabhängige Innovationsprojekte zuzulassen.

Kürzlich wurden in Grossbritannien die Ergebnisse einer Studie zu unternehmensinternen Innovationen veröffentlicht. Von 750 befragten Gesellschaften verfügen 71% über Budget und Ressourcen für entsprechende Projekte. Allerdings sagten neun von zehn Befragten, zu viel Bürokratie sorge dafür, dass nur die wenigsten Ideen umgesetzt würden.

Schweizer Erfolgsmodelle

Dass es auch anders geht, zeigen ausgerechnet zwei Kantonalbanken in der Schweiz. Die Glarner Kantonalbank (GLKBN 30.1 -0.33%) hat als erstes Finanzinstitut hierzulande bewiesen, dass sie digitale Innovationen erfolgreich umsetzen kann. Der 2012 gegründete Hypomat zur Online-Vermittlung von Hypotheken ist zum Erfolgsmodell geworden, drei weitere Banken haben die Technologie lizenziert. In der Folge brachte die GLKB drei weitere digitale Plattformen auf den Markt. Nur eine von ihnen – der Robo Advisor Investomat – wurde wegen Erfolglosigkeit nach vier Jahren eingestellt.

Vor zwei Jahren ist die Bank Cler auf den Fintech-Zug aufgesprungen. Inspiriert vom Erfolg der digitalen Neobanken, wollte sie für einen Teil ihrer Kundschaft die Bank aufs Smartphone übertragen. Daraus entstand das digitale Bankkonto Zak. Es wird ständig weiterentwickelt. So soll ab kommendem Jahr das Angebot um eine Krypto-Wallet erweitert werden.

Seit einigen Wochen versucht sich auch die Zürcher Kantonalbank als Fintech-Unternehmerin. Mit Frankly betreibt sie als erste Bank eine eigene digitale Vorsorgeplattform, die kostengünstig 3a-Wertschriftlösungen anbietet. Damit wandelt die ZKB auf den Spuren des Pioniers Viac, der vor zweieinhalb Jahren in Zusammenarbeit mit der Bank WIR den 3a-Bereich mit einer äusserst innovativen Vorsorgelösung aufgemischt hat. Es bleibt zu hoffen, dass die ZKB ihre Hausaufgaben gemacht hat und ihrem Digitalprodukt die nötige Anlaufzeit gibt, bis es sich als profitabler Zweig behaupten kann.

Erfolgversprechende Kooperationen

Banken als erfolgreiche Unternehmensgründer – dies hat sich bisher noch nicht als universelles Erfolgsmodell herausgestellt. Viel zielführender war es bislang, Gründer von Jungunternehmen wirken zu lassen, bis sie ihr Produkt zur Marktreife gebracht haben, um anschliessend eine Zusammenarbeit einzugehen.

Solche Kooperationsmodelle tauchen in der Finanzwelt immer häufiger auf. Neben Viac und der Bank WIR arbeitet etwa die Hypothekarbank Lenzburg (HBLN 4200 0%) mit der Challenger-Bank Neon zusammen. Der Robo Advisor TrueWealth stellt seine Technologie verschiedenen Banken im In- und Ausland zur Verfügung. Auf internationaler Ebene arbeitet der bekannte Geldwechselspezialist Transferwise ebenfalls mit diversen Finanzinstituten zusammen.