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Die Schweiz ist fest in internationaler Hand

Die grösste Schweizer Lieferplattform Eat.ch gehört seit 2015 dem in London kotierten Unternehmen Just Eat. Der Markt für Lieferservice dürfte in der Schweiz weiter wachsen.

Die Pizza steht oben auf der Liste, wenn Schweizer Essen nach Hause bestellen. Das geht aus einer Umfrage von Eat.ch hervor. Die vor bald zehn Jahren gegründete Onlineplattform ist Schweizer Marktführerin für die Bestellung von Essen. Jede dritte Online-Bestellung für Essen geht über die Plattform von Eat.ch. Die anderen beiden grösseren Plattformbetreiber, Foodarena und Lieferservice, kommen auf einen deutlich kleineren Anteil.

Eat.ch gehört seit 2015 zu Just Eat, die in London an der Börse ist. Auch Foodarena und Lieferservice sind in ausländischer Hand. Foodarena gehört Delivery Hero (DHER 99.80 -2.59%) und Lieferservice Takeaway.com. In der Schweiz wird Essen im Wert von knapp 1 Mrd. Fr. pro Jahr nach Hause geliefert. Ein Viertel davon wird online bestellt. Diesen Anteil will Dominic Millioud erhöhen. Er ist Geschäftsführer für die Schweiz von Just Eat. «Der Schweizer bestellt Essen weniger häufig als Kunden aus Grossbritannien oder Skandinavien.» Der Trend in der Schweiz zeige aber steil nach oben. «Generell ist die Internetaffinität in den nördlichen Ländern ausgeprägter als hierzulande», sagt Millioud.

Restaurants, die bei Eat.ch präsent sind, geben 11% des vermittelten Umsatzes an die Plattform ab. Übernimmt Eat.ch auch die Lieferung, steigt der Anteil auf 30%. Das ist für Eat.ch zwar profitabler, gehört aber nicht zum Kerngeschäft. «Unsere Kernkompetenz ist das Plattformgeschäft», sagt Millioud. Bei der Lieferung arbeitet Eat.ch mit Partnern zusammen. Für 170 bis 180 Restaurants übernimmt sie auch diesen Teil des Geschäfts. Dennoch ist das Liefergeschäft für Eat.ch interessant, da das breitere Angebot die Attraktivität der Plattform erhöhe.

Schweizweit gibt es laut Millioud 25 000 bis 30 000 Restaurants. «Davon liefern rund 2000 Restaurants Essen nach Hause», schätzt er. Bei Eat.ch sind fast 1700 Restaurants. Dabei sind sowohl einheimische Lokale wie auch internationale Food-Ketten wie Dominos Pizza (Dominos Pizza 46.01 +1.57%).

Pizzaketten haben den Heimlieferservice schon vor Jahren entdeckt. Nun sind auch Hamburgerketten auf den Geschmack gekommen. Für Millioud ist das aber keine Bedrohung. «Für uns ist es eine grosse Chance, wenn internationale Ketten wie Burger King und McDonald’s (MCD 255.97 +2.66%) Heimlieferservice auf der Agenda haben», sagt er. Die Vergrösserung des Angebots helfe, den Gesamtmarkt voranzutreiben. Auch von Tech-Konzernen wie Amazon (AMZN 3'438.88 +1.45%) sieht er keine Bedrohung, da sie keine Plattformen betreiben, sondern die Lieferung übernehmen.

Just Eat bietet den Restaurants aber nicht nur eine Plattform. Das Unternehmen produziert unter anderem auch Pizzaschachteln und Verpackungen aller Art sowie Flyer für die Restaurants. Zudem können sich Restaurants wie bei Google Ads Topplatzierungen kaufen. In diesem Bereich will das Unternehmen weiter zulegen. Millioud zeigt sich für das weitere Wachstum optimistisch. Er schätzt, dass der Gesamtmarkt für Heimlieferungen pro Jahr 5 bis 10% wachsen wird. Weiter steigern dürfte sich auch der Anteil, der online bestellt wird. Von beiden Trends will die Schweizer Marktführerin profitieren.