Märkte / Devisen

Die SNB lehnt sich zurück

Der Devisenbestand der Nationalbank wächst weiter. Wer daraus schliesst, dass die SNB den Franken schwächt, liegt falsch.

Die Fremdwährungsanlagen der Schweizerischen Nationalbank haben im Oktober 2,4% zugenommen, von 724,5 auf 741,5 Mrd. Fr. Das zeigt die am Dienstagmorgen publizierte Statistik zu den Devisenreserven, die die SNB periodisch an den Internationalen Währungsfonds IWF abliefern muss.

Die Zahlen legen auf den ersten Blick die Vermutung nahe, die SNB habe Devisen gekauft, um den Franken zu schwächen. Doch der Schein trügt.

Der Wert der Fremdwährungsanlagen wächst nicht nur durch Interventionen am Devisenmarkt, sondern auch durch Kursschwankungen. Die Nationalbank hält zu vier Fünfteln Anleihen und zu einem Fünftel Aktien. Bewegen sich ihre Kurse, verbucht die SNB das in ihrer Bilanz als Wertveränderung.

Anlagen in verschiedenen Währungen

Dazu kommen Wechselkursschwankungen. Die Anleihen und die Aktien sind zu 42% in Euro und zu knapp 35% in Dollar denominiert. Unter den weiteren Anlagewährungen sind der Yen, das Pfund und der kanadische Dollar (vgl. Grafik). Zu den «Übrigen» gehören auch der koreanische Won und der chinesische Renminbi.

Die Kurse von Wertschriften und Währungen sowie allfällige Devisenkäufe der SNB haben also den Wert der Fremdwährungsanlagen gesteigert. Die drei Einflussfaktoren auseinanderzudividieren, ist nicht ganz einfach.

Sichtguthaben bleiben konstant

Ein besserer Indikator für die Interventionen sind die Sichtguthaben der Banken bei der SNB. Kauft die Nationalbank Devisen, dann schreibt sie den Gegenwert in Franken den Banken auf deren SNB-Konten gut. Die Summe dieser Sichtguthaben wird stets am Montag publiziert, per Donnerstag der Vorwoche. Sie gewährt einen aktuellen Einblick in die Interventionen, wofür sie als guter Indikator gilt – auch wenn noch andere Einflüsse mitspielen, etwa die Bargeldhaltung der Banken.

Seit Ende Juni haben die Sichtguthaben nicht mehr zugenommen (vgl. Grafik). Daraus lässt sich schliessen, dass die Nationalbank seither kaum mehr am Devisenmarkt interveniert hat. Ab Ende August sind diese Guthaben sogar leicht gesunken.

Der Markt wertet den Euro auf

Das Ende der Interventionen im Sommer ist kein Zufall. Im Juli wertete sich der Franken zum Euro rapide ab, der Wechselkurs stieg von 1.095 auf mehr als 1.15 Fr./€. Und die Eurostärke hält an. Am Dienstagvormittag notierte der Kurs 1.1577 Fr./€.

Solange die gute Stimmung gegenüber dem Euro besteht, kann sich die SNB zurücklehnen. Eingriffe am Devisenmarkt sind unnötig.

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