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Die SNB peilt den zweithöchsten ­Gewinn an

Die Nationalbank dürfte kommende Woche einen Quartalsgewinn von 30 Mrd. Fr. rapportieren. Hauptgrund für den Überschuss ist die geldpolitische Wende der grossen Zentralbanken.

Die Schweizerische Nationalbank werde für das erste Quartal einen Gewinn von 30 Mrd. Fr. ausweisen, kalkuliert Ökonom Alessandro Bee von UBS (UBSG 11.81 -0.13%). Das ist fast so viel wie der Rekordgewinn im dritten Quartal 2017 von 32,5 Mrd. Fr. Damals prophezeite Bee, ein solch hoher Überschuss bleibe wohl «einmalig», weil er «auf der Verkettung glücklicher Umstände» beruhe: einem schwächeren Franken, womit die SNB-Devisenanlagen  an Wert zulegten, sowie einem Kursgewinn von Anleihen und Aktien und Gold (Gold 1426.44 0.07%).

Jetzt ist das Glück zweimalig geworden – die SNB (SNBN 5230 -0.57%) rapportiert ihre Zahlen am kommenden Donnerstag. Diesmal stammt die Bescherung von den Zentralbanken. «Thank you Jay! Grazie Mario!», bringt es Bee auf den Punkt. Jerome Powell vom Federal Reserve und Mario Draghi von der Europäischen Zentralbank haben einen vorsichtigeren Kurs eingeschlagen. Damit haben sich die Börsen erholt, der MSCI Weltindex ist im ersten Quartal fast 12% avanciert. Beim SNB-Aktienportefeuille von gut 140 Mrd. Fr. dürfte gemäss Bee ein Kursgewinn von 15 Mrd. Fr. resultieren.

Dank der Notenbanken sind zudem die Zinsen gefallen und damit die Kurse der Obligationen gestiegen. Bee errechnet, das SNB-Anleihenportfolio von 600 Mrd. Fr. sei nun 6 Mrd. mehr wert.

Zum Franken hat im letzten Quartal der Euro ein wenig verloren, während Dollar, Yen und Pfund gestiegen sind. Per saldo ergibt sich laut Bee ein Wechselkursgewinn von knapp 2 Mrd. Fr.  Die weiteren Überschüsse stammten von Dividenden, Coupons, dem steigenden Goldpreis und den Einnahmen aus dem Negativzins.

Nach dem Jahresverlust 2018 von 14,9 Mrd. Fr. ist der doppelt so hohe Quartalsgewinn umso erfreulicher. Damit steigt das Eigenkapital auf 150 Mrd. Fr. und beträgt nun etwa 18% der Bilanzsumme. Das ist gut. Zuvor war die Eigenkapitalquote von 57% vor der Finanzkrise auf das Tief von 6,5% im Juli 2011, vor der Einführung des Euromindestkurses, geschrumpft.

«Die starke Gewinnentwicklung wird sich nicht fortsetzen», prognostiziert Bee. Eine weitere Lockerung der Geldpolitik gebe es nur bei einer deutlichen Konjunkturschwäche. Dann könnten zwar die Zinsen weiter nachgeben, und die Anleihenkurse steigen, aber die Aktien würden fallen. Die symmetrische Aufwärtsbewegung von Aktien und Anleihen «dürfte sich daher nicht wiederholen».

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