Meinungen

Die Stiftung hat ein «Legacy»-Problem

Die Panalpina-Hauptaktionärin begründet ihr Nein auch mit getätigten Investitionen. Doch die Gesamtrechnung muss stimmen. Ein Kommentar von FuW-Ressortleiterin Claudia Lanz-Carl.

«Es fällt der Grossaktionärin offenbar schwer, das IT-Projekt durch ihren Entscheid abzubrechen.»

Hochkonjunktur für Berater in der Panalpina-Frage. So auch bei der Ernst-Göhner-Stiftung, die ihr Nein zum vorliegenden Übernahmevorschlag des dänischen Logistikers DSV (DSV 575.4 -0.24%) kundgetan hat. Ob sich die Stiftung mit der Aussage, «dieses Angebot» nicht zu unterstützen, eine Hintertür offen gelassen hat, wird am Finanzmarkt derzeit intensiv diskutiert. Die Kursreaktion am Montag zeigt, dass ein höheres Gebot nicht von allen ausgeschlossen wird. Sonst müsste das Minus stärker sein.

Ausdrücklich betont die Stiftung, der unabhängige Panalpina-Ausschuss habe diesen Entscheid gefällt. Dabei stellt sich die Frage, wie unabhängig er tatsächlich ist. Denn die Stiftung hat ein «Legacy»-Problem. Sie gewichtet Entscheidungen der Vergangenheit sehr hoch. Und damit hat auch Panalpina (PWTN 206 0%) ein solches Problem.

Unerwünschter Projektabbruch

Der Logistiker hat die neue IT-Plattform zur Hälfte ausgerollt und Hunderte Millionen investiert. Es fällt der Grossaktionärin offenbar schwer, das Projekt durch ihren Entscheid abzubrechen. Denn genau das würde passieren, wenn DSV mit eigener IT-Infrastruktur das Unternehmen akquirieren würde. Sobald bedeutender Mehrwert durch die Übernahme geschaffen wird, darf das aber keine Rolle spielen.

Den Beratern von Bankenseite dürfte klar sein, welches Szenario die Stiftung, die nach eigenem Bekunden Unternehmen entwickeln will, bevorzugt. Beispiele, in denen externe Gutachten eine bestehende Einschätzung gestützt haben, gibt es zuhauf.

Im Fall Panalpina bleibt unklar, von welchen Annahmen die Banken ausgegangen sind, solange die Analysen unter Verschluss sind. Vielleicht steht dort, wie hoch ein zweites Gebot ausfallen müsste, um den erwarteten Mehrwert, den das Unternehmen aus eigener Kraft erzielen will, mehr als aufzuwiegen.

Änderung bei den Stimmrechten?

Die Stellungnahme des Verwaltungsrats von Panalpina steht noch aus. Viel Zeit bleibt dem Gremium nicht, der Druck ist nochmals gestiegen. Angesichts unterschiedlicher Meinungen über die künftige Ausrichtung könnte die Zusammenarbeit im Verwaltungsrat schwieriger werden. Gut möglich, dass die Stiftung offene Governance-Fragen angeht, um kritische Aktionäre zu besänftigen. So könnte die unliebsame Stimmrechtsbeschränkung von 5% – die für alle ausser für die Stiftung gilt – fallen.

Für die Panalpina-Mitarbeitenden, die die Stiftung ausdrücklich als wichtige Anspruchsgruppe nennt, ist die Unsicherheit keinesfalls kleiner geworden. Möglicherweise betont die Stiftung ihre Verpflichtung gegenüber den Panalpina-Mitarbeitenden so stark, um Zusicherungen von DSV zu erhalten.

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