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Meinungen

Die Substanz muss stimmen

Die Ausschüttung der Dividende darf nicht zu Lasten der Substanz gehen. Wer sich am Cashflow orientiert statt am ausgewiesenen Gewinn, reduziert das Risiko von Fehlentwicklungen.

«Es geht darum, das Gleich­gewicht zwischen Ausschüttung und Substanz zu finden.»

Die Suche nach Rendite reibt auf. Die Zinsen sind niedrig und bleiben niedrig, wohl noch für Jahre. Obligationen werfen nichts ab, und mit Liquidität verliert der Anleger unter Einrechnung von Gebühren ebenfalls Geld. Kein Wunder, gewinnt die Dividende in den Anlageentscheidungen stetig an Bedeutung. Denn die Dividendenrenditen können sich durchaus sehen lassen. Die im Swiss Performance Index (SPI (SXGE 11479.28 -0.14%)) enthaltenen Aktien rentieren derzeit im Schnitt 3,4%.

Ungeachtet vieler Bremsfaktoren wie Wachstumsschwäche in China und Frankenschock im vergangenen Jahr oder aktuell die Brexit- oder US-Wahlrisiken steigen in der Schweiz die Ausschüttungen. Unternehmen versuchen, ihre Aktionäre bei Laune zu halten. Wer sich rühmen kann, die Dividende je Aktie langfristig gesteigert oder zumindest nicht reduziert zu haben, kommt gut an. Doch das allein darf nicht das Argument sein.

Es geht vielmehr darum, das Gleichgewicht zwischen Ausschüttung und Substanz zu finden. In der Regel orientiert sich das Management in dieser Frage am Gewinn. Doch diese Grösse hat wegen Bewertungsfragen, nicht cashwirksamer Buchungen und vieler Bereinigungen in der Regel wenig mit der Realität zu tun. Näher am realen Geschehen und Geschäftsgang ist der freie Cashflow – der Geldbetrag, der am Ende des Jahres tatsächlich frei zur Verfügung steht.

Die Dividende am freien Cashflow statt am Gewinn auszurichten, ist erst im Kommen. In der Schweiz gehen diesen eleganten Weg beispielsweise bereits Givaudan (GIVN 2565 0.39%) und Sunrise (SRCG 69.4 0%). Ihnen sollten mehr Verwaltungsräte folgen. Die Gefahr, dass die Ausschüttung unerkannt an der Substanz des Unternehmens zehrt, ist mit dieser Politik zwar nicht gebannt, aber doch verringert.

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