Märkte / Aktien

Die Türkei als Spitze des Eisbergs?

Das Land am Bosporus kämpft mit Kapitalabflüssen und einer serbelnden Lira. Gemäss IWF droht Schwellenländern jedoch grösserer Kummer.

Die Türkei leidet primär unter hausgemachten Problemen. Staatspräsident Recep Erdogan sorgt nicht nur ständig für aussen- und innenpolitische Querelen, sondern er unterminiert zusehends die Unabhängigkeit der türkischen Notenbank. Passt ihm der eingeschlagene Kurs der Geldpolitik nicht, wird der Notenbankchef kurzerhand abgesetzt.

Erst vor knapp zwei Wochen war es wieder so weit. Dabei geht viel Vertrauen und Goodwill seitens der Handelspartner und der Investoren verloren. Die Lira wertet sich seither deutlich ab. Bereits seit drei Jahren ziehen Ausländer mehrheitlich ihr Kapital ab.

Für den gesamten Block der Schwellenländer (Emerging Markets, EmMa) stellt sich nun die Frage, wie hoch das Ansteckungspotenzial der Misere am Bosporus ist. Man erinnert sich mit Schrecken an die Jahre 2016 bis 2018, als die sich anbahnende Währungskrise in der Türkei auch auf andere Schwellenländer überschwappte und vielerorts Kollateralschaden anrichtete. Der Rubel und der Rand wurden besonders kräftig mit in die Tiefe gezogen, doch auch andere Währungen litten damals unter dem Vertrauensentzug der internationalen Investoren. Seit 2018 reagieren die restlichen Währungen weniger sensitiv auf Turbulenzen rund um die Lira.

Die Welle schwappt nicht über

Der Devisenmarkt ist hochdynamisch, sensibel und ein verlässlicher Temperaturanzeiger für die Gunst oder Abneigung des internationalen Kapitals. Die Ökonomen von Goldman Sachs erläutern, die aktuelle Situation sei jedoch nicht mit der Ansteckungswelle der Jahre 2016 bis 2018 zu vergleichen. Dieser Text ist für Abonnentinnen und Abonnenten reserviert. Digital 5 Wochen ab CHF 20.– Jetzt testen Bereits abonniert?