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Die überfällige Korrektur bei Junkbonds

Unternehmensanleihen von minderer Kreditqualität sind seit Juli unter Verkaufsdruck. Der Exodus aus High-Yield-Fonds sucht seinesgleichen. Dank der Korrektur sind Junkbonds weniger überbewertet aber immer noch nicht billig.

Peter Rohner

Junkbonds, also Anleihen von Unternehmen mit zweifelhafter Bonität, gehörten bis vor kurzem zu den am stärksten überbewerteten Anlagen. Die durchschnittliche Rendite einer US-Hochzinsanleihe (High Yield) war im Juli auf rekordtiefe 5,2% gefallen. Es war der tiefste Wert seit Beginn des US-High-Yield-Index von Merrill Lynch, wie die folgende Grafik mit den HY-Renditen seit 1997 zeigt.

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Quelle: Federal Reserve Bank of St. Louis

Die Renditedifferenz zu sicheren Staatsanleihen (Kreditspread) war ebenfalls auf rekordverdächtige 2,2% geschrumpft. Doch seit Fed-Chefin Janet Yellen im Juli auf die stattliche Bewertung bei einigen Anlageklassen hinwies, drehte der Wind. Zum ersten Mal seit einem Jahr sind die Kurse der Junkbonds nennenswert gefallen, während Staatsanleihen stabil blieben. Die Kreditspreads sind in wenigen Wochen von 2,2% auf beinahe 3,5% gestiegen. Das zeigt der Index von Barclays (BARC 197.70 +1.71%) (blaue Kurve):

Spreads
Quelle: Société Générale

Die Grafik zeigt auch, dass der Ausverkauf nicht bei allen Anleihenklassen mit Kreditrisiko stattfand. Schwellenländeranleihen hielten sich für einmal besser.

Während über Jahre trotz geringem Zinsaufschlag viel Geld von renditesuchenden Investoren in High-Yield-Fonds und ETF floss, fand im Juli plötzlich ein Umdenken statt.

Der Abfluss aus High-Yield-Fonds erreichte Rekordwerte. Charles Himmelberg von Goldman Sachs (GS 406.07 +3.8%) nannte es ein «HY Flowmageddon». Fast 6 Mrd. $ waren im August in bloss fünf Tagen abgeflossen.

FlowUBS

Quelle: UBS (UBSG 15.88 +0.6%)

Die Grafik von UBS zeigt, wie extrem der Exodus war. Es mehren sich bereits Stimmen, wonach Hochverzinsliche nach dem Sell-off nicht mehr überbewertet seien. Goldman Sachs sieht in den Verkäufen der Privatanleger eine Kaufopportunität, denn die Bewertungen seien jetzt attraktiver, und fundamental habe sich nichts an den guten Wirtschaftsaussichten mit wenigen Zahlungsausfällen geändert. Barclays verweist auf eine abnehmende Dynamik bei den Fonds-Abflüssen:

Flows
Quelle: Barclays

Zugegeben, Junkbonds sehen zum ersten Mal seit einem Jahr nicht mehr ganz so überteuert aus. Am Grundproblem allerdings hat sich nichts geändert: Wegen dem Rückzug der Investmentbanken aus dem Anleihenhandel ist der Markt für Unternehmensanleihen illiquid geworden. Mit dem Aufkommen von ETF wurde nur eine vermeintliche Liquidität geschaffen. Wenn auf einmal viele Anleger gleichzeitig ihre Anteile verkaufen wollen, führt das zu massiven Verlusten. Denn den ETF-Anbietern ist es egal, wenn keine vernünftigen Preise mehr für den Basiswert gestellt werden, denn sie verkaufen auch in einen fallenden Markt hinein.

Möglicherweise war dieses bekannte Problem des engen Notausgangs ein Grund für die Verkaufswelle. Investoren wollen auf keinen Fall in diesen Verkaufsstrudel geraten und bauen vorsichtshalber ihre Positionen ab, bevor sich die wirtschaftlichen Aussichten verschlechtern. Es scheint, als regiere für einmal nicht die Gier, sondern die weise Voraussicht.