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Die umtriebige Karriere des Hans Ziegler

Gegen den in der Wirtschaftswelt bekannten Sanierer und Manager Hans Ziegler (64) ermittelt die Bundesanwaltschaft wegen Verdachts auf Insiderhandel.

Die Finanzmarktaufsicht Finma, die gegen ihn ein aufsichtsrechtliches Verfahren aufgenommen hatte, hat bei der Bundesanwaltschaft Strafanzeige eingereicht. Es gehe um Geschäfte mit Titeln von diversen in der Schweiz kotierten Unternehmen, liess die Finma verlauten. Am Dienstag ist Ziegler von seinen Verwaltungsratsämtern bei OC Oerlikon (OERL 9.3800 -1.05%) und Schmolz + Bickenbach, die beide zum Einflussbereich des russischen Investors Victor Vekselberg gehören, zurückgetreten. Am Freitag folgte sein Austritt aus dem Aufsichtsrat des deutschen Konzerns Kuka (KU2 73.00 +0.00%), zu dem Swisslog gehört.

Der Karriereweg des ehemaligen Verwaltungsangestellten einer Zürcher Landgemeinde war steil und verzeichnete unzählige Stationen. Sein Gesellenstück lieferte Ziegler 1996 ab, mit der Verwertung der maroden Interdiscount. Er schlug für die Aktionäre und die Obligationäre deutlich mehr heraus, als zu erwarten war. Dadurch wurde er erstmals einem breiteren Publikum in der Finanzwelt bekannt. Zuvor schon war er für Kern, die SBG (UBS (UBSG 17.75 -1.28%)), Ericsson (ERIC B 104.00 +1.76%), Alcon (ALC 71.36 -0.78%), den Detailhändler Usego-Waro und als Finanzchef der damals noch kotierten Globus-Warenhäuser tätig.

Nach dem Distefora-Erfolg folgten Aufträge bei Complete-e, Elma Electronic (ELMN 720.00 +0.00%) und Schlatter (STRN 23.00 +1.77%). Medienwirksam war seine Funktion bei der Erb-Gruppe. Er wurde 2003 CEO, als das Unternehmen bereits lichterloh brannte, und es blieb ihm nur noch dessen Abwicklung. Er habe damals nicht sehr geschickt agiert und mit den Banken zu hoch gepokert, sodass sie ihn schliesslich im Regen stehen gelassen hätten, hiess es später. Allerdings herrschte damals Rezession und Börsenbaisse, was ein Spielen auf Zeit höchst riskant gemacht hätte.

Dafür gelang es ihm sechs Jahre später, bei seinem nächsten medienwirksamen Auftrag, die in Schieflage geratene OC Oerlikon zu stabilisieren, mit substanzieller finanzieller Hilfe von Vekselberg. Die OC-Oerlikon-Historie ist auch deshalb bemerkenswert, weil Ziegler sich anfänglich vom britischen Hedge Fund Laxey als Kampfkandidat für den VR von Saurer aufstellen liess. Saurer wurde so in die Hände von OC Oerlikon getrieben, die damals von österreichischen Investoren um Ronny Pecik kontrolliert wurde. Ziegler war in jener Zeit zudem VR der umtriebigen Neuen Zürcher Bank (NZB), die Pecik half, heimlich und unter Umgehung der Meldepflicht eine 30%-Beteiligung an Sulzer (SUN 86.50 -1.42%) aufzubauen, die später, als Pecik der Schnauf ausging, zu dessen Partner Vekselberg gelangte.

Schlatter und Swisslog, wo Ziegler jeweils längere Zeit als VR-Präsident oder blosser VR wirkte, kamen unter seiner Führung kaum nachhaltig vorwärts. Auch beim lange serbelnden Modekonzern Vögele, wo Ziegler 2008 auf Betreiben von Laxey und Tito Tettamanti in den VR kam und später das Präsidium übernahm, reüssierte er nicht. Sein Einsitz 2011 beim Fussballklub FCZ, zusammen mit Gregor Greber, blieb kurz und endete in einer Konfrontation mit Vereinspräsident Ancillo Canepa.

Und die Erfolgsbilanz des Hans Ziegler? «Schwer zu lesen, schwerer vielleicht als die Bilanzen, die Ziegler sanierte», schrieb die «Finanz und Wirtschaft» in einem Porträt 2011. Dem ist heute nichts beizufügen.