Märkte / Makro

«Die Ungleichgewichte im Aussenhandel vergrössern sich»

Henning Vöpel, Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts, kritisiert Deutschlands Exportüberschuss. Die Unternehmen investierten zu wenig.

Dieter W. Heumann

Deutschland ist Exportweltmeister und führt deutlich mehr Waren und Dienstleistungen aus als ein. Einen solchen Überschuss in der Leistungsbilanz können nicht alle Länder gleichzeitig erreichen. Auf der anderen Seite stehen Defizitländer, das Resultat ist ein Ungleichgewicht.

Dafür sei Deutschland mitverantwortlich, erklärt Henning Vöpel. Er ist Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) und Professor für Volkswirtschaftslehre an der HSBA Hamburg School of Business Administration. Deutschland müsse aber nicht die Löhne erhöhen, sondern mehr investieren.

Herr Vöpel, früher erachtete Deutschland eine ausgeglichene Leistungsbilanz als wichtig. Dies wurde in den Sechzigerjahren als Ziel ins Stabilitätsgesetz aufgenommen.
Ja, aber das ist der heutigen Wirtschaftspolitik abhandengekommen. Ich halte das für bedenklich. Aus den Leistungsbilanzüberschüssen entstehen Forderungen an das Ausland. Die sind aber keinesfalls immer sicher. Und in der Tat waren es diese Ungleichgewichte, die entscheidend mit dazu beigetragen haben, dass es 2007/8 zur Wirtschafts- und Finanzkrise kommen konnte. Die Deutschen hatten damals ihren Überschuss aus dem Handel mit den USA in hohem Masse dazu verwandt, u. a. verbriefte US-Immobilienkredite zu kaufen, die in der dortigen Immobilienkrise zu Schrottimmobilien verkamen. Die leidvollen Folgen sind bekannt.

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