Märkte / Makro

«Die USA haben ein Schönwettersystem»

Walter Scheidel, Geschichtsprofessor an der Universität Stanford, rechnet mit anhaltend hoher Ungleichheit und stellt die Stabilität der US-Demokratie infrage.

Der Historiker Walter Scheidel kennt sich aus mit den Folgen von Pandemien für die wirtschaftliche Ungleichheit. Er hat die Vermögensverteilung über die Menschheitsgeschichte analysiert und Pandemien als einen Faktor identifiziert, der zu mehr Gleichheit führt. Für Covid-19 gilt diese Regel nicht: Zu den fatalen Konsequenzen gehört mehr Ungleichheit.

Herr Scheidel, in der aktuellen Pandemie sind viele Reiche reicher geworden, ­während Millionen in schlecht bezahlten Branchen die Arbeit verloren haben. Wie ­aussergewöhnlich ist die steigende wirtschaftliche Ungleichheit auf hohem Niveau?
Historisch gesehen hat die Ungleichheit des Einkommens und des Vermögens die Tendenz, zu steigen oder sich auf hohem Niveau zu stabilisieren. Neue Technologien, Produktionsweisen und Institutionen begünstigen meist einige wenige, während viele zurückbleiben. Eigentumsrechte helfen, dass sich die Ungleichheit stabilisiert. Das ist der Grundzustand der letzten zehntausend Jahre. Dieser Artikel ist für Abonnentinnen und Abonnenten reserviert. Digital-Abonnements ab 28 Fr. / Monat Zu den Abonnements Bereits abonniert?

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