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Die Verkaufswelle an Wallstreet geht weiter

Nach gravierenden Einbussen am Vortag verliert der Dow Jones am Donnerstag 2,1%. Das Technologiebarometer Nasdaq Composite nähert sich einer Korrektur.

(Reuters/CG) Die US-Börsen haben am Donnerstag nach einer Berg-und-Tal-Fahrt erneut im Minus geschlossen. Geringere Inflationsdaten als erwartet gaben Wallstreet zunächst Halt. Im späten Handelsverlauf überwogen dann aber Sorgen um eine neuerliche Eskalation im Zollstreit zwischen den USA und China sowie um eine schwache Bilanzsaison.

Etwas Entspannung gab es teilweise im Technologiesektor. Anders als am Vortag hielten sich Aktien von Branchenkolossen wie Microsoft (MSFT 106.94 0.07%), Facebook (FB 142.16 0.43%), Google (GOOGL 1047.97 -0.13%) und Apple (AAPL 192.23 -1%) relativ stabil. Dafür gerieten jedoch Finanztitel wie JPMorgan Chase (JPM 109.59 0.59%), Bank of America (BAC 27.76 0.04%) und Morgan Stanley (MS 44.68 1.25%) unter Druck.

Erneut zu den Verlierern zählten Aktien aus dem Chipsektor wie Nvidia (NVDA 199.31 5.15%), Qualcomm und Applied Materials. Grössere Verluste erlitten ebenfalls defensive Werte aus dem Pharmasektor wie Pfizer (PFE 43.52 -1.34%), Merck (MRK 74.61 -0.11%) (MRK 93.5 -0.09%), Johnson & Johnson (JNJ 144.68 -0.65%) und Eli Lilly (LLY 112.39 -0.72%), nachdem sie sich am Mittwoch besser als der Gesamtmarkt geschlagen hatten.

Sechste Sitzung mit Verlusten in Folge

Der Dow Jones (Dow Jones 25286.49 -0.4%) schloss 2,1% tiefer auf 25’052. Am Mittwoch war er um über 3% abgesackt. Der breiter gefasste S&P 500 (SP500 2722.18 -0.15%) sank rund 2% auf 2728. Es ist inzwischen die sechste Börsensitzung in Folge, in der er Boden einbüsst. Seit dem Rekordhoch vom 20. September hat er fast 7% verloren.

Noch schwächer fällt die Performance des Nasdaq Composite aus. Das Technologiebarometer sank am Donnerstag weitere 1,2% auf 7329, nachdem es am Mittwoch rund 4% verloren hatte. Gemessen am Allzeithoch von 8109,69 fehlt damit nicht mehr viel bis zu einer Korrektur von 10%.

Die Konsumentenpreise in den USA stiegen im September weniger stark als erwartet. «Zu einer Forcierung der Zinserwartungen dürften die Inflationsdaten somit nicht führen», erklärt Helaba-Analyst Patrick Boldt. «Auch in Anbetracht der soliden Verfassung des US-Arbeitsmarktes erscheinen graduelle Leitzinserhöhungen durch die amerikanische Notenbank gerechtfertigt.»

Trump kritisiert US-Notenbank

Das sieht US-Präsident Donald Trump anders. Er erklärte die US-Notenbank wegen ihrer aktuellen Geldpolitik für «verrückt» und beschrieb die Zinserhöhungen als «zu aggressiv». Später fügte er noch hinzu, er werde Notenbankchef Jerome Powell zwar nicht feuern, sei aber enttäuscht.

Trumps Wirtschaftsberater Larry Kudlow bekräftigte, die US-Notenbank sei unabhängig, was Trump respektiere. Der Präsident diktiere den Währungshütern nicht ihre Entscheidungen. Das Federal Reserve hat im laufenden Jahr den Leitzins drei Mal angehoben. Bis Ende 2019 hat es vier weitere Schritte nach oben signalisiert.

Zinsen geben etwas nach

Unter den Einzelwerten zählten die Aktien des Bezahldienstes Square mit einem Abschlag von fast 11% zu den Verlierern. Sie reagierten auf den Abgang der in der Branche anerkannten Finanzchefin Sarah Friar, die den Börsengang des Unternehmens 2015 gesteuert hatte.

Delta Air Lines legten dagegen über 3% zu. Die Fluggesellschaft hatte im abgelaufenen Quartal mehr verdient als erwartet.

Gesucht war die Antikrisenwährung Gold (Gold 1202.17 0.14%): Die Feinunze (31,1 Gramm) verteuerte sich um 2% auf ein Zweimonatshoch von 1219.75 $. Geld floss ebenso in US-Staatsanleihen. Die Rendite auf zehnjährige Treasuries sank 9 Basispunkte auf 3,13%, wobei Zinsen und Preise am Bondmarkt gegenläufig tendieren.

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