Meinungen

Die Warnungen vor der Blase

Es ist falsch, die Hinweise auf eine Blase am Bondmarkt zu ignorieren. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor ad interim Clifford Padevit.

« Ist es richtig, dass der chinesische Staat für zehnjährige Dollaranleihen nur 25 Basispunkte mehr bezahlt als die USA? »

So lebhaft sind die Erinnerungen an die Finanzkrise, dass Warnungen vor dem Platzen einer Bewertungsblase derzeit Hochkonjunktur haben. Der Immobilienmarkt soll in einer Blase sein, der Aktienmarkt und natürlich der Bondmarkt, wo die Renditen über dreissig Jahre lang gesunken sind. Dass sich alle Warnungen je bestätigen, darf bezweifelt werden, doch es ist nachvollziehbar, dass der niedrige Preis für Geld, niedrige Zinsen also, die Nachfrage nach Krediten steigen lässt. Das beeinflusst alle Anlagen, die eine Zinskomponente einschliessen.

Wenn es nun Investoren gibt, die sich Argumente zurechtlegen, warum in Märkten für einzelne Anlagen, wie zum Beispiel Anleihen von Triple-A-Staaten, nicht oder nicht unbedingt von Spekulationsblasen zu reden sei, dann ist Vorsicht angebracht. Es ist wohl eher ein Versuch, zu rechtfertigen, warum Anleger hohe Preise bezahlen können.

Letztlich dürfen sich Anleger nichts vormachen. Die Aufschläge für Anleihen, die zudem auch ein Kreditrisiko mit sich bringen(wie Unternehmensanleihen sowie Schwellenländeranleihen), sind sehr gering. Es lohnt sich nicht, das zusätzliche Risiko einzugehen. Ist es etwa richtig, dass der chinesische Staat für zehnjährige Dollaranleihen nur 25 Basispunkte mehr bezahlt als die USA? Je länger die Zinsen so niedrig sind, desto weniger wird bezweifelt, dass die Bilanzen robust genug und die Schulden tragbar sind. Doch wehe, der Wind dreht. Die Preise für US-High-Yield-Anleihen sanken etwa 2008 auf ein Niveau, auf dem die Rendite über 22% stand.

Es wäre jedenfalls falsch, Warnungen vor einer Bondblase zu ignorieren. Darauf zu hoffen, dass der aktuelle Zinserhöhungszyklus ohne Unfälle vor sich geht, ist naiv. Und Naivität kann sich niemand leisten.

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