Meinungen

Die Wette gilt

Die Erholung der Börse kam zu schnell. Leerverkäufer sind zu Recht skeptisch. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Jan Schwalbe.

«Zu viel ist in der Schwebe, als dass Entwarnung angebracht wäre.»

Man mag es kaum für möglich halten – doch die letzten vier Wochen hat der Swiss Market Index jeweils mit Gewinn abgeschlossen. In den USA ist der Handel volatiler. Aber auch dort hat der S&P-500-Index zwei Wochen in Folge kräftig zugelegt. Doch ich bleibe dabei: Die Erholung ist zu schnell und zu deutlich.

In einem solchen Umfeld hilft ein Blick auf die so verhassten Leerverkäufer, die oft für Turbulenzen verantwortlich gemacht werden. In einigen Märkten gibt es deshalb im Moment gar ein Short-Selling-Verbot, nicht aber in den USA und der Schweiz. In den USA wird besonders heiss gegen weitere Avancen spekuliert. 70 Mrd. $ schwer sind die Wetten gegen den SPDR S&P 500 (S&P 500 4'464.33 -0.22%), den wichtigsten ETF auf den US-Leitindex; der höchste Wert seit vier Jahren.

Was können langfristig orientierte ­Anleger vom Trend zum Leerverkauf lernen? Wenn es um Einzeltitel geht, steigt das Risiko eines Kursrutsches, sobald sich Leerverkäufer auf ein Unternehmen eingeschossen haben. Auch wenn die faire Bewertung dann noch immer über allem steht, sollten auf Sicherheit bedachte Investoren Titel vermeiden, in denen sich Short Sellers tummeln. Diese behalten zwar nicht immer recht, doch Kursverluste in solchen Werten sind häufiger.

Wenn Investoren gegen den ­Gesamtmarkt wetten, dann spielen andere Faktoren eine Rolle. Die Leer­verkäufer stufen die Interpretation von Fundamentaldaten vorausge­gangener Erholungen als falsch ein. So auch dieses Mal. Zu viel ist in der Schwebe, als dass Entwarnung angebracht wäre. Genau das macht eine neuerliche Korrektur wahrscheinlich. Ich wette auf jeden Fall nicht darauf, dass die Leerverkäufer falschliegen.