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Die Zinsen sind zu hoch!

Nach der altgedienten Taylor-Regel ist der EZB-Leitzins deutlich zu hoch – das Fed macht's richtig.

Alexander Trentin

Die Leitzinssetzung der Zentralbanken kann man ziemlich gut anhand einer Regel des US-Ökonomen John B. Taylor nachvollziehen. Nach der Taylor-Regel ergibt sich der ideale Zins aus einer Funktion der Inflation, der Differenz zwischen Inflation und dem Inflationsziel sowie der Differenz zwischen der tatsächlichen und der potenziellen Wirtschaftsleistung.

Das Ergebnis: Der Abstand zwischen dem errechneten Zins nach Taylor-Regel und dem Refinanzierungssatz der  EZB vergrössert sich seit Juni vergangenen Jahres. Und seit Januar müsste der Satz sogar negativ sein! Derzeit empfiehlt die Schätzung (zumindest gemäss Bloomberg-Modell) seitdem einen Satz von –0,3%.

Euro-Taylor
Quelle: Bloomberg, Grafik: FuW

Das Problem der EZB: Sie muss von Finnland bis Zypern den gleichen Satz anwenden. Nach einer Schätzung der DWS vom September letzten Jahres wäre damals für Deutschland ein Zins  von fast 4%, für Spanien dagegen ein Zins von –6% (!) angebracht gewesen. Um einem Überhitzen der Länder Kerneuropas zuvorzukommen, will die EZB den Satz wohl nicht weiter senken. Denn die Depression in Südeuropa dämmt man mit etwas niedrigeren Zinsen wohl kaum ein. Die Liquiditätsbereitstellung für die Banken über das LTRO-Programm und das Versprechen, bei Notfällen Staatsanleihen über das OMT-Programm zu kaufen, sollen stattdessen helfen.

Das Fed kann sich dagegen seit Anfang dieses Jahres wieder an der Taylor-Regel orientieren. Gleichzeitig stützt es die Wirtschaft mit seinem QE-Programm.

Fed-Taylor
Quelle: Bloomberg, Grafik: FuW

Die Schweiz scheint ihren Satz dagegen nun zu niedrig zu halten. Gemäss Taylor-Regel hätte sie schon im Oktober des letzten Jahres die Zinsen erhöhen müssen. Nun empfiehlt die Schätzung einen Satz von 0,8%.

Schweiz Taylor
Quelle: Bloomberg, Grafik: FuW

Noch krasser ist aber die lockere Politik der Bank of England. Inflation wird auf der Insel gerne akzeptiert, um die Wirtschaft anzukurbeln. Das zeigt sich auch in der Differenz von BoE-Leitzins und Taylor-Regel. Sie liegt auf rekordverdächtigen 2,35%. Statt 0,5% wäre gemäss dem Modell ein Zins von 2,85% angemessen. Seit Anfang 2009 liegt der Leitzins unter der Taylor-Regel.

England Taylor Quelle: Bloomberg, Grafik: FuW

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