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Die Zuversicht der Fondsmanager schwindet

Anlageprofis haben ihre Wachstumsprognosen stark nach unten revidiert. Im Monatsvergleich setzen sie dennoch stärker auf Rohstoffsektoren und Aktien aus Schwellenländern.

Sandro Rosa

Auch die Profis sind nicht immun. Die stärkeren Schwankungen an den Börsen schlagen ihnen ebenfalls aufs Gemüt – das zeigt die jüngste Umfrage von Bank of America (BAC 27.03 2.97%) Merrill Lynch (BofAML) unter 175 Fondsmanagern weltweit.

Nach ihren Konjunkturprognosen befragt, gaben netto 38% an, sie erwarteten für die kommenden zwölf Monate eine Wachstumsabschwächung («netto» bedeutet, dass die Vermögensverwalter, die schwächeres Wachstum erwarten, gegenüber den Optimisten um 38 Prozentpunkte überwiegen).

Damit hat sich das Lager der Pessimisten im Vergleich zum Vormonat noch einmal deutlich vergrössert. «Das ist die schwächste Prognose für die Weltwirtschaft seit November 2008», schreiben Michael Hartnett und sein Team in ihrer Auswertung.

Dabei ist es nur konsequent, dass die Fondsmanager eine hohe Bargeldquote als Puffer halten. Mit einem Anteil von 5,1% ist sie im historischen Vergleich hoch. Der Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre liegt bei 4,5%.

Für Hartnett ist es deshalb klar, dass die Profis «bearish» sind. Doch sind sie bereits so negativ, dass sich für Anleger, die gegen den Strom schwimmen wollen, eine Chance eröffnet? Der Experte ist nicht überzeugt. Zwar sei die Stimmung gedrückt genug, um auf eine kurzfristige Gegenbewegung an den Aktienmärkten zu setzen – diese Erholungsrally sollten Anleger allerdings dazu nutzen, ihre Aktienquote und die Portfoliorisiken zu verringern.

Sorgen machen sich die Fondsmanager über die Gewinnkraft der Unternehmen. Per saldo rechnen sie mittlerweile damit, dass die Profite in den nächsten zwölf Monaten weltweit schrumpfen werden – nachdem im Januar noch fast 40% mit einem Anstieg gerechnet hatten. Das verheisst wenig Gutes für zyklische Aktien, die besonders sensibel auf Konjunkturschwankungen reagieren.

Zu den grössten Risiken für Börsen und Wirtschaft zählen die Experten weiterhin eine Eskalation im Handelskrieg, das Ende der Anleihenkäufe der Notenbanken (Quantitative Tightening) sowie eine Konjunkturabkühlung in China.

Wie haben die Fondsmanager seit der letzten Umfrage vor einem Monat reagiert? Trotz Wachstumsängsten haben sie ihre Positionen in Schwellenländeraktien und in den besonders konjunkturabhängigen Sektoren Rohstoffe und Energie erhöht.

Hierbei dürften auch die Erwartung eines schwächeren Dollars und geopolitische Risiken eine wichtige Rolle gespielt haben. Rohstoffe profitieren typischerweise von einem fallenden Greenback, während der Ölpreis sensibel auf erhöhte Spannungen im Nahen Osten reagiert.

Technologie-, Industrie- und Immobilienaktien hingegen wurden von den Profis reduziert, aus regionaler Optik büssten die über lange Phasen bevorzugten US-Valoren an Popularität ein.

Trotz dieser Bewegungen erfreut sich die Technologiebranche noch immer überaus grosser Beliebtheit. Damit aber besteht die Gefahr, dass der Verkaufsdruck noch anhalten wird. Ebenfalls gerne setzen die Fondsmanager auf Pharma und Energie.

Die klassischen defensiven Werte wie Telecom, Versorger und Basiskonsum werden von den Fondsmanagern weiterhin stiefmütterlich behandelt.

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