Meinungen

Die zwei Hüte der SNB

Die Nationalbank sollte ihre Massnahmen zur Finanzstabilität und zur Geldpolitik besser koordinieren, damit die Wirkung nicht verpufft. Ein Kommentar des stv. Chefredaktors Clifford Padevit.

«Die Welten der Leitzinsen und der Finanzsystemstabilität sind miteinander verbunden, obwohl sie die SNB getrennt betrachtet.»

Die Schweizerische Nationalbank hat diese Woche zweimal von sich reden gemacht. Sie hält an ihrer Geldpolitik fest und hat mit dem Verweis auf die Zinsdifferenz zum Euroraum klar gemacht, dass sich an den gegenwärtigen Negativzinsen noch lange nichts ändern wird. Andererseits hat sie im separaten Stabilitätsbericht, der Analyse des einheimischen Bankensystems, davor gewarnt, dass die ultraniedrigen Zinsen zu möglichen Übertreibungen im Hypothekenmarkt führen, besonders bei Renditeliegenschaften.

Wie andere Zentralbanken, die mit dieser Doppelrolle bedacht sind, stellt die SNB (SNBN 5390 1.51%) beide Welten als komplett getrennt dar. Hier geht es um das Preisniveau und den Wert des Frankens. Dort um Finanzstabilität, um die Gesundheit des Bankensystems, die ja von eben diesen Zinsen abhängt.

Tatsächlich sind die Welten der Leitzinsen und der Systemstabilität miteinander verbunden. Wenn die SNB die Zinsen anhebt, wird sich das auf das Finanzsystem auswirken. Umgekehrt wird die Erhöhung des antizyklischen Kapitalpuffers für Banken als makroprudenzielle Massnahme die Nachfrage nach Kredit und somit das Wirtschaftswachstum dämpfen.

Derzeit laufen diese Welten auseinander. Somit ist unklar, was die SNB wirklich sagen wollte. Ginge es ihr nur um die Stabilität des Systems, würde sie konsequenterweise den antizyklischen Puffer weiter erhöhen. Indem sie es nicht tut, signalisiert sie, die niedrigen Zinsen seien für das Banksystem kein übermässig grosses Problem, was nicht stimmt. Besser wäre es, wie die Bank für internationalen Zahlungsausgleich BIZ unlängst forderte, die Zins- und die Stabilitätswelt als eine einzige anzuschauen und koordiniert zu steuern. Dann käme die Nachricht der SNB besser an.

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