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Diese Notenbanken erhalten bald neue Chefs

Nicht nur die Spitze der US-Zentralbank steht zur Diskussion. In Japan und Schweden endet die Amtszeit der Hälfte des Direktoriums. London ernennt Nachfolge für scheidenden Falken.

Seit Montag ist bekannt, wer Kristin Forbes im geldpolitischen Ausschuss der britischen Notenbank ersetzen wird. Die Amerikanerin wird nächste Woche ausscheiden, wenn ihre Amtszeit endet.

Forbes wurde an den Finanzmärkten als Falke eingestuft. Sie stimmte in den vergangenen Sitzungen der Bank of England als Einzige für eine Leitzinserhöhung – bis  letzte Woche, als die Minderheit der Falken auf drei von acht Mitgliedern anstieg.

Zinsexperten versuchen nun herauszufinden, ob auch die Neue dem Lager der Notenbankfalken zuzurechnen ist. Sie heisst Silvana Tenreyro, hat in Harvard studiert und forscht als Wirtschaftsprofessorin an der London School of Economics. Aus ihrem Lebenslauf lässt sich keine Neigung ablesen, urteilt die Bank HSBC (5 382.15 -1.62%).

Sesselrücken in London

Für die Bank of England kommt der Personalwechsel zu einem heiklen Moment. Intern wird heftig darüber diskutiert, wann der Zeitpunkt für eine Zinswende gekommen ist. Seit 2011 war die Meinung über das Vorgehen nicht mehr so gespalten wie jetzt. Hinzu kommt, dass die Regierung endlich den vakanten neunten Sitz im Ausschuss bestimmen muss. Danach ist nur kurz Pause. Nächstes Jahr endet die Amtszeit von zwei weiteren Direktoriumsmitgliedern sowie von Vize-Gouverneur Jon Cunliffe (siehe Diagramm). Gouverneur Mark Carney verlässt die Bank of England Mitte 2019.

Zuvor werden andernorts noch zahlreiche Wechsel stattfinden. Der nächste steht an Schwedens Notenbankspitze an. Nach zwölf Jahren endet die Amtszeit von Stefan Ingves am 31. Dezember. Im Herbst dürfte sein Nachfolger bestimmt werden. Auch zwei Vizepräsidenten müssen innerhalb von elf Monaten bestätigt oder ersetzt werden. Damit ist das halbe Direktorium auf Abruf – oder aus dem Blick der Finanzmärkte: zwei Tauben und ein Falke (Martin Florén). In der Bank of Japan dreht sich das Personalkarussell noch schneller: Fünf von neun Spitzenfunktionären stehen im nächsten Dreivierteljahr auf Abruf. Darunter Präsident Haruhiko Koruda und zwei Vizepräsidenten.

Spannend ist, was in den USA passieren wird. Nirgendwo ist der politische Druck zu einem Wechsel grösser. Die vierjährige Amtszeit Janet Yellens an der Spitze des Fed-Direktoriums läuft im Februar 2018 aus. Präsident Trump warb im Wahlkampf für ein Köpferollen. Er kann einen Nachfolger sowie Kandidaten für zwei vakante Sitze im Board vorschlagen, um der Institution seinen Stempel aufzudrücken. Fed-Vize Stanley Fischer ist dagegen bis 2020 ins Direktorium gewählt. Seine Position als Vize-Chef endet aber früher.  Trump müsste sie bestätigen und der Senat absegnen. Fischer kann die Funktion im Juli 2018 verlieren, aber weiter als Mitglied im Board wirken.

Und die Schweiz?

Bereits im Mai 2018 wird der Vizepräsident der Europäischen Zentralbank (EZB) das Institut verlassen. Bis EZB-Chef Mario Draghi ausgewechselt wird, vergehen aber noch fast zweieinhalb Jahre. Seine Amtszeit endet erst im Herbst 2019 und kann nicht verlängert werden. In Deutschland wächst die Hoffnung (und in Südeuropa die Angst), dass mit Bundesbankchef Jens Weidmann erstmals ein Deutscher nachrücken könnte. Er plädiert seit Jahren dafür, die Geldpolitik zu drosseln.

Die Schweiz bildet auch in Sachen Notenbank-Führungswechsel international eine Ausnahme. Der Präsident und der Vizepräsident sind zwar bereits seit 2012 ins Amt gewählt, aber entscheidend ist die Amtsperiode. Sie wird vom Bundesrat für das gesamte Direktorium inklusive Stellvertreter kollektiv festgesetzt, dauert bis 2021 und wird dann automatisch verlängert.

Wechsel im Nationalbank-Direktorium fielen bisher nie mit den Fristen der Amtsperiode zusammen. Scheidet ein Schweizer Notenbanker aus, dann fast immer aus freien Stücken und zu einem selbst gewählten Zeitpunkt. Aktuell zeichnet sich das nicht ab.