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Direkte Kredite an Unternehmen oder Privatpersonen

Statt eine Anleihe zu zeichnen, können Investoren als Gläubiger auch auf direkterem Weg Fremdkapital zur Verfügung stellen – ebenfalls gegen Verzinsung. Private Debt nennt sich diese Form von Anlage im Jargon institutioneller Grossanleger. Es sind Kredite, die im Zuge einer Privatplatzierung zur Verfügung gestellt werden.

Der Investor übernimmt dabei die traditionelle Rolle einer Bank. Ein Asset-Manager verhandelt die Kreditbedingung zwischen den Geldgebern und den Kreditnehmern. «Es handelt sich um nicht kotierte Forderungsrechte, deren Informationen nur den jeweiligen Investoren zugänglich sind», sagt Hans-Jörg Baumann, Gründer von Swiss Capital Group, die Private-Debt-Investitionen abwickelt.

Private Debt ist eine illiquide Anlage. Die Investoren verpflichten sich für eine längere Zeit und werden dafür mit einer Liquiditätsprämie kompensiert. Diese hat im Niedrigzinsumfeld an Bedeutung gewonnen, was ein Grund für das Aufblühen von Private Debt ist. Zu den grössten Investoren gehört die Zuger Partners Group (PGHN 901 2.25%), die für ihre Kunden rund 6 Mrd. $ in Private Debt alloziert hat.

Noch sind Private-Debt-Anlagen qualifizierten Anlegern vorbehalten. Es dürfte allerdings nicht mehr lange dauern, bis es auch auf diesem Gebiet geschlossene Fonds für Privatanleger gibt. «Sofern die Privatinvestoren einen genügend langen Anlagehorizont haben und bereit sind, in geschlossene Anlagefonds zu investieren, gibt es sicherlich auch in diesem Segment bald Lösungen», sagt Baumann.

Ähnlich wie Private Debt für institutionelle Investoren ist in gewissem Sinn Peer-to-Peer-Lending (P2PL) für Privatpersonen. Es wird auch als Crowdlending bezeichnet. Dabei treten Privatpersonen an die Stelle der Bank und beteiligen sich direkt an der Finanzierung von Projekten anderer Teilnehmer. Die kreditfinanzierten Projekte werden auf einer Online-Plattform beschrieben, wo interessierte Darlehensgeber ein Angebot machen können.

Anleger müssen sich der Risiken solcher Kredite bewusst sein und sollten nur einen kleinen Teil des Vermögens dafür verwenden. Im Gegensatz zu den USA, wo der Marktführer LendingClub im Winter an die Börse ging, ist P2PL in der Schweiz kaum verbreitet. Grund dafür ist der Überfluss an Kapital. Das bestätigt Michael Borter, Chef des nationalen Marktführers Cashshare: «Wir haben viel mehr Darlehensgeber als Darlehensnehmer.»