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Meinungen

Dividendenfalle

Der Markt geht von stabilen bis steigenden Ausschüttungen aus. Das könnte sich rächen. Ein Kommentar des stv. Chefredaktors Adrian Blum.

«Es wird den Aktien schwerer fallen, den Dividendenabgang wettzumachen.»

Das Dividendenjahr hat sich als weniger dramatisch herausgestellt als zu Beginn der Coronakrise gedacht. Jetzt haben auch die Aktionäre der Credit Suisse (CSGN 9.77 +1.41%) der zweiten Ausschüttungstranche für das Geschäftsjahr 2019 zugestimmt. Zuletzt hat niemand mehr an diesem Schritt gezweifelt, wie auch vor Wochenfrist nicht daran, dass die UBS (UBSG 16.36 +1.8%) das gleiche Prozedere durchlaufen würde. Als wäre nichts geschehen – kein Störfaktor Coronakrise –, liegen die Ausschüttungen Schweizer Unternehmen in der Summe über Vorjahr.

Die grossen Zahler haben mehr geliefert als zuvor, und auch bei den weniger bedeutsamen Dividendengrössen waren Ausfall oder Reduktion eher selten. Durchgesetzt hat sich die Sichtweise, dass Dividenden für das abgelaufene Jahr gelten, ungeachtet dessen, ob im aktuellen Jahr eine Krise herrscht und eine Ausschüttung unangebracht sein könnte.

In weniger als einem halben Jahr stehen die Ausschüttungen für das Krisenjahr 2020 an. Was heisst das für die Dividenden? Trotz aller Unbill ist von eher leicht steigenden Ausschüttungen auszugehen, nicht nur bei den Schwergewichten, sondern auch bei weiteren Kandidaten. Anpassungen nach unten wird es wohl nur bei einigen zyklischen Vertretern oder in Sonderfällen wie UBS geben.

Darüber sollten sich Anleger nicht zu sehr freuen. Stimmt das Umfeld nicht – und danach sieht es aus –, nagt Mittelabfluss an der Substanz. Dann fällt es den Aktien deutlich schwerer, den Dividendenabgang wettzumachen. Am Jahresende zählt nicht nur die Ausschüttung, sondern auch die Kursentwicklung, also die Gesamtrendite. Die Dividendenfalle droht.

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