Seit November 2016 bestätigt der Dow Jones (Dow Jones 25409.69 -0.14%) Transportation Average den Dow Jones Industrial nicht mehr. Die erhebliche Divergenz stellt nach der viel zitierten Dow-Theorie eine Warnung vor einem Bärenmarkt dar.

Als Dow diese Beobachtung beschrieb, die andere zur Theorie erhoben, konnten Investoren nicht auf gesamtwirtschaftliche oder unternehmensspezifische Daten zugreifen. Die Regel wurde erstellt, um Konjunkturaussagen über Divergenzen herzuleiten. Die grösste Kapitalisierung hatten  damals Eisenbahn-Gesellschaften.

Der Theorie Sinn geben

Die Beobachtung, dass Divergenzen zwischen Industrien und vor allem Sektoren Trendwenden vorspuren, ist immer noch aktuell. Indes können heute zu diesem Zweck nicht Transportaktien mit ihrem Mückengewicht von 1.9% im MSCI Welt herangezogen werden. Die Aufgabe ist heute primär über die Analyse globaler Sektoren zu erfüllen.

Aus dieser Perspektive liegt in der Tat eine Verengung der Marktbreite durch eine übermässige Favorisierung des Sektors Information Technology relativ zu allen anderen Sektoren vor. Auf 12 Monate betrachtet hat Information Technology jene sieben Sektoren, die eng beieinanderliegen, um den Faktor 1.1 bis 1.2 übertroffen.

Information Technology hat aus meiner Sicht mit einer Blasenbildung begonnen. Doch spekulative Blasen bestehen aus zwei Akten: Entstehung und Platzen. Der Identifikation entstehender Blasen dienen sechs meiner Kriterien, der Erkenntnis, dass eine Blase am Platzen ist, deren vier. Im Sektor Information Technology sind nur vier Kriterien, die auf eine entstehende Blase hinweisen, erfüllt. Das bedeutet, dass die Blasenbildung erst begonnen hat und sehr wahrscheinlich den Sektor noch deutlich höher treiben wird. Von den verbleibenden zehn Sektoren weisen vier relative Stärke zum MSCI Welt auf und drei davon relative Stärke zum S&P 500 (SP500 2766.7 -0.04%), der stärker ist als der MSCI Welt.

Wird die sogenannte Dow-Theorie ihrer Sinngebung entsprechend angewandt, wohl aber nicht buchstabengetreu, fehlt somit trotz Verengung der Marktbreite zunächst etwas: Gewicht der relativen Verlierer. In der Tat bringen diejenigen Sektoren, die relative Stärke aufweisen, ein Gewicht von 64% der Kapitalisierung der Weltbörsen und von rund 68% der US-Börse auf. Das ist ein zu hohes Gewicht von sich positiv entwickelnden Segmenten einer Gesamtbörse, bei globaler und lokaler Betrachtung, um von einem bevorstehenden Ende der Hausse des S&P 500 und anderer relevanter Indizes auszugehen.

Grosse liegen vorn

Allerdings ist jeder einzelne Sektor von einer deutlichen Präferenz für grosskapitalisierte Aktien geprägt, was auch das Verhältnis zwischen S&P 100, S&P 500, S&P 400 Mid-Caps und S&P 600 Small-Caps bestimmt. Der S&P 100 ist eindeutig der Stärkste, seine 100 Konstituenten machen 80% der Kapitalisierung des S&P 500 aus, die Konstituenten des S&P 400 20% des S&P 500. Ihre Entwicklung über die vergangenen 12 Monate beträgt 95% der Entwicklung des S&P 500, jene des S&P 600 Small-Cap 93%.

Führt man sich vor Augen, dass auf 13 Monate betrachtet der S&P 400 Mid-Cap nur 1% weniger als der S&P 500 gestiegen ist und der S&P 600 Small-Cap sogar 2,5% mehr, wird deutlich, wie stark die zwei Indizes von mittelgrossen und kleinen Unternehmen in neuerer Zeit im Vergleich zu den grosskapitalisierten abgestraft wurden. Das ruft nach selektivem Vorgehen!

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