Meinungen

Draussen warten

Die Aktivistin Sentis drängt in den Verwaltungsrat von Meyer Burger. Die Probleme der Solarzulieferin würden damit kaum gelöst. Ein Kommentar von FuW-Redaktorin Sylviane Chassot.

«Es ist nicht absehbar, wie die Wahl von Kerekes zur Gesundung von Meyer Burger beitragen würde.»

Stellen Sie sich vor, Sie streiten sich mit Ihrem Nachbarn. Sie überbieten sich gegenseitig mit Anschuldigungen, verlieren Stil und Gelassenheit. Alle rundherum schütteln den Kopf, die Sache ist wüst anzusehen. Würden Sie dann zu Ihrem Nachbarn sagen: «Hey, zieh doch bei mir ein und wir können drinnen weiterstreiten»? Wohl kaum.

Dass die Solarzulieferin Meyer Burger (MBTN 0.2894 -4.87%) die Kandidatur von Mark Kerekes als Vertreter der Aktivistin Sentis nicht unterstützt, ist daher nachvollziehbar. Nur entscheidet nicht VR-Präsident Remo Lütolf, ob Kerekes in sein Board aufgenommen werden soll, sondern das können die über 18 000 Aktionäre von Meyer Burger an der ausserordentlichen Generalversammlung am 30. Oktober tun.

Die Anleger stehen vor einer schwierigen Wahl. Meyer Burger bleibt nicht mehr viel Zeit, bis ihr das Geld ausgeht. Die Aktien dümpeln vor sich hin, eine Kursänderung ist dringend nötig. Einen Vertreter der Aktionäre im Verwaltungsrat zu haben, ist ein legitimes Anliegen. Eine Veränderung ist verlockend.

Doch mehr Einbezug der Aktivisten bringt Meyer Burger noch keine neuen Aufträge, und die braucht die Anlagebauerin, um zu überleben. Für neues Geld braucht es eine neue Strategie, und was diese Frage anbelangt, sind sich Sentis und Meyer Burger einig. Es ist daher nicht absehbar, wie die Wahl von Kerekes zur Gesundung von Meyer Burger beitragen würde.

Für die Aktionäre bleibt die Versuchung, die beiden Streithähne zusammen einzupferchen, so kehrt wenigstens draussen Ruhe ein. Drinnen wird das aber keine Verbesserung bringen.