Märkte / Devisen

Druck auf den Franken

Schwächt die Europäische Zentralbank den Euro, muss die Schweizerische Nationalbank womöglich abwehren.

Der Franken-Euro-Mindestkurs der Schweizerischen Nationalbank (SNB) könnte unter Druck geraten, wenn die Europäische Zentralbank an ihrer nächsten Ratssitzung am 6. Juni die Geldpolitik weiter lockert. Die EZB will damit die Wirtschaft beleben und den Euro schwächen. Um dann den Mindestkurs zu verteidigen, müsse die SNB Massnahmen ergreifen, sagt gut die Hälfte der Teilnehmer an einer Umfrage der Agentur Bloomberg.

Diese Erwartung trifft auf das Mantra der SNB, zuletzt geäussert von Präsident Thomas Jordan an der Generalversammlung Ende April: «Wir stehen bereit, den Mindestkurs wenn nötig durch den Kauf von Devisen in unbeschränkter Höhe durchzusetzen und bei Bedarf weitere Massnahmen zu ergreifen.» Welche Abwehrmanöver die Nationalbank erwägt, darüber schweigt sie sich aus.

Als Retter in der Not bewahrte die EZB die SNB im Sommer 2012 vor solch «weiteren Massnahmen». Damals spitzte sich die Eurokrise zu. Um den Aufwärtsdruck zu parieren, verkaufte die Nationalbank 190 Mrd. Fr. gegen Euro und erhöhte damit die Devisenreserven um 80%. Der Zufluss in den Franken ebbte ab, nachdem EZB-Präsident Mario Draghi erklärt hatte, die Zentralbank werde alles Nötige tun, um den Euro zu erhalten.

Nun könnte die EZB beispielsweise den Leitzins von 0,25 auf 0% senken und den Einlagezins von 0% in den negativen Bereich – damit müssten Geschäftsbanken auf ihren Guthaben bei der EZB einen Zins bezahlen. In der Folge würden Geldmarktanlagen in Euro unattraktiver, und er würde sich abschwächen. Allerdings sind im Frankengeldmarkt gewisse Zinsen seit der Einführung des Mindestkurses durchweg negativ – ohne direktes Zutun der SNB. Ob staatlich verordnete Negativzinsen effektiv wären, um einen Kapitalzustrom abzuwehren, ist umstritten.

Als Draghi am 8. Mai eine lockerere Geldpolitik in Aussicht stellte, schwächte sich der Euro zum Dollar deutlich ab. Zum Franken ist er hingegen seither erstarkt, der Kurs stieg stetig von 1.2189 auf 1.2218 Fr./€. Allerdings hat die implizite Volatilität (erwartete Wechselkursschwankung) etwas zugenommen. Alarmbereitschaft sieht aber anders aus. Die Devisenhändler blicken bislang gelassen auf die nächste EZB-Sitzung.