Unternehmen / Industrie

DSV geht auf die Ernst-Göhner-Stiftung zu

Der dänische Logistiker gibt Panalpina noch nicht auf. Er wäre zu Zusicherungen in Arbeitsplatzfragen bereit. Heikel ist die Rolle des scheidenden Panalpina-VRP Peter Ulber.

Einen Tag nach der Bekanntgabe der Geschäftszahlen für 2018 ist das DSV-Management am Freitag auf Roadshow in London. Thema Nummer eins bei allen Gesprächen: die Frage, wie es in der geplanten Übernahme von Panalpina weitergeht. Noch gibt sich der dänische Logistiker nach dem vorläufigen Nein der Ernst-Göhner-Stiftung als grösster Aktionärin mit 46% nicht geschlagen. DSV wäre sogar bereit, der Stiftung bei «weichen Themen» entgegenzukommen.

Das erklärten mehrere Finanzmarktakteure, die mit DSV Kontakt hatten, gegenüber «Finanz und Wirtschaft». Zudem zeigte sich der Finanzchef des Logistikers, Jens Lund, am Freitag in der dänischen «Finans» zuversichtlich, dass eine Lösung für die Anliegen der Stiftung gefunden werden könne. Thomas Gutzwiller, Vor­sitzender des Panalpina-Ausschusses der Ernst-Göhner-Stiftung, hatte zu Wochenbeginn im Gespräch mit «Finanz und Wirtschaft» erklärt, eine eigenständige ­Panalpina sei für «alle Stakeholder, Aktionäre, Kunden und Mitarbeiter, aber auch für den Werkplatz Schweiz» besser. Und auch mit Investitionen in die IT argumentiert. DSV hatte Mitte Januar gut 4 Mrd. Fr. oder 170 Fr. je Pan­alpina-Titel in bar und in Aktien geboten.

Rückkäufe auf Eis

Auch bei der Ausschüttungspolitik wäre der Panalpina-Interessent teilweise flexibel. Dividenden spielten bei DSV bisher eine untergeordnete Rolle. Der Logistiker schüttet freie Mittel, die er nicht für Akquisitionen benötigt, grosszügig an die Investoren aus. Im Jahr der letzten grossen Übernahme, als die amerikanische UTI für 1,4 Mrd. $ an DSV ging, erhielten die Investoren lediglich Dividenden, es fand aber kein Aktienrückkauf statt. Aktuell hat das Unternehmen die Aktienrückkäufe ebenfalls auf Eis gelegt, bis sich die Panalpina-Frage geklärt hat. 2018 gab der Logistiker fast 4,2 Mrd. dKr. dafür aus, umgerechnet mehr als 630 Mio. Fr.

An einer Telefonkonferenz am Donnerstag bekräftigte DSV-CEO Jens Björn Andersen frühere Aussagen, wonach DSV das Thema Panalpina sehr ernst nehme. Um eine «feindliche Übernahme» handle es sich beim geplanten grössten Zukauf in der Geschichte des Unternehmens nicht, ebenso wenig wie bei Ceva Logistics. DSV war im vergangenen Herbst beim Ceva-Verwaltungsrat abgeblitzt, Monate nach dem Börsengang des Unternehmens in der Schweiz. Inzwischen hat Grossaktionärin CMA CGM ein Angebot für Ceva lanciert. Weiterführende offizielle Kommentare zu Panalpina gab es am Donnerstag vom DSV-Management nicht.

Die Zahlen des Logistikers wurden von Analysten teils als solid, teils als leicht enttäuschend gewertet. Der Bruttogewinn stieg im abgelaufenen Geschäftsjahr 8% auf 17,5 Mrd. dKr., das Betriebsergebnis (Ebit) vor Sondereffekten 15% auf 5,5 Mrd. dKr. Die in der Branche wichtige Konversionsrate (Ebit gemessen am Bruttogewinn) verbesserte sich 1,8 Prozentpunkte auf 31,2%.

Für das laufende Jahr erwartet DSV 5,9 bis 6,3 Mrd. dKr. Ebit, was nicht direkt vergleichbar mit dem Berichtsjahr ist. Denn ab 2019 wendet der Logistiker den neuen Rechnungslegungsstandard IFRS 16 an, mit einem positiven Effekt von 300 bis 350 Mio. dKr. auf das Betriebsergebnis. Insgesamt nehme DSV eine vorsichtigere Sicht auf das Wachstum 2019 ein, kommentieren die Analysten von Berenberg. Dabei – so urteilt Thomas Cullen von Transport ­Intelligence – bleibe der Unterschied zwischen DSV und Panalpina sehr gross.

Vergleichbarkeit erschwert

Panalpinas Zahlen für 2018, die das Unternehmen am 28. Februar vorlegt, werden bereits von IFRS 16 geprägt sein. Der Logistiker wendet den neuen Standard seit Januar 2018 an, was die Vergleichbarkeit mit Branchennachbarn erschwert. Die für 2018 geschätzte Konversionsrate von 8% ist um diesen Effekt bereinigt.

Bis Ende Februar könnte Bewegung in die Übernahmefrage gekommen sein. ­Bisher kommuniziert DSV offenbar ausschliesslich mit dem Verwaltungsrat von Panalpina. Insgesamt erwarten die Dänen eine Klärung der Situation im Laufe des ersten Quartals. Das verlautete aus London. Damit blieben dem Unternehmen noch sieben Wochen Zeit.

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