Unternehmen / Konsum

Advent steht vor Comeback bei Dufry

Der Reisedetailhändler hat Partner für die angekündigte Kapitalerhöhung gefunden. Die US-Tochter Hudson soll wieder voll eingegliedert werden.

Dufry (DUFN 27.74 -9.35%) plant eine Kapitalerhöhung von rund 500 Mio. Fr., um damit die Reintegration der US-Tochter Hudson zu finanzieren und die Liquidität zu stärken. Entscheiden werden die Aktionäre des Reisedetailhändlers an einer  ausserordentlichen Generalversammlung am 6. Oktober.

Das Kapital von brutto rund 500 Mio. Fr. soll durch eine Bezugsrechtsemission beschafft werden, wie Dufry am Donnerstag mitgeteilt hat. Das Angebot gilt in erster Linie für bestehende Aktionäre.

Rückkehr von Advent

Alle nicht von bestehenden Aktionären erworbenen Valoren werden dann der US-Private Equity-Gesellschaft Advent International angeboten. Advent hat bereits zugesichert, gegebenenfalls Titel zum Stückpreis von 28.50 Fr. für insgesamt 415 Mio. Fr. zu erwerben.

Advent und Dufry haben eine lange gemeinsame Geschichte. Das US-Unternehmen beteiligte sich 2004 mit 75% an Dufry. Ein Jahr später übernahm es die restlichen 25% und brachte Dufry an die Schweizer Börse.

Auch hinter der Hudson-Story steht Advent. Sie verkaufte den US-Reiseretailer 2008 an Dufry. Der Kaufpreis wurde teils in Aktien bezahlt, sodass die Beteiligung Advents an Dufry zwischenzeitlich auf 50% stieg. Bis 2013 blieb Advent beteiligt, wobei der Ausstieg in Etappen geschah.

Bookbuilding bestimmt Preis

Der Angebotspreis wird von Dufry zusammen mit dem am Angebot beteiligten Bankensyndikat in einem Bookbuilding-Verfahren ermittelt. Die endgültigen Bedingungen des Bezugsrechtsangebots würden zu gegebener Zeit bekanntgegeben.

Die Verpflichtung von Advent International gelte auch, wenn der im Bookbuilding-Verfahren ermittelte Angebotspreis unter 28.50 Fr. liegen sollte. Sollte der Preis allerdings über den 28.50 Fr. liegen, sei die Verpflichtung nichtig.

Advent hat zugesichert, den Anteil an Dufry auf höchstens 19,99% zu begrenzen. Gleichzeitig hat sie bestätigt, keine Kontrollmehrheit anzustreben. Ebenfalls vereinbart ist eine Haltefrist von sechs Monaten.

Der neu-alte Ankeraktionär soll zudem einen Sitz im Dufry-Verwaltungsrat erhalten. Der Generalversammlung wird Ranjan Sen zur Wahl in das Aufstichtsgremium vorgeschlagen. Der 1969 in Deutschland geborene Ranjan leitet als Managing Partner das Deutschland-Office von Advent.

Den Entscheid, das an der US-Börse kotierte Tochterunternehmen Hudson wieder vollständig zu integrieren, gab Dufry bereits Mitte August bekannt. Der Reisedetailhändler erhofft sich davon erhebliche Kosteneinsparungen einerseits durch Synergien und andererseits durch eine Vereinfachung der Organisationsstruktur und betrieblicher Abläufe.

Deutliche Kapitalverwässerung

Aus der Kapitalerhöhung fliessen Dufry weitere rund 200 Mio. Fr. zu, die ihr finanziellen Spielraum verschaffen, etwa um bei wichtigen Konzessionsvergaben im Wettbewerb zu bleiben, wie die Zürcher Kantonalbank schreibt.

Durch die Kapitalerhöhung wird die Anzahl ausgegebener Dufry-Aktien deutlich steigen. Zu den bisherigen 55,5 Mio. Titeln werden 17,5 Mio. dazukommen. Das entspricht 31%.

Die Verwässerung für die Aktionäre ist somit substanziell. Zudem kommt der Reiseverkehr eher langsamer als erwartet auf Touren, was Dufry operativ weiterhin zusetzen wird. Die Aktien handelten am Donnerstagvormittag teilweise mehr als 4% höher als am Vortag.

Die komplette Historie zu Dufry finden Sie hier. »

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