Dossier-Bild Ein Artikel aus dem Dossier FuW-Value-Portfolio
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Dürres Feld für Value-Investoren

Das FuW-Value-Portfolio avanciert im Dreimonatszeitraum dank Gewinnen in Temenos, Microsoft und AB InBev gut 10%.

Für Value-Investoren wird das Dilemma grösser: Nach mehr als sechs Jahren Hausse sind qualitativ hochwertige Aktien vom Schlage einer Nestlé oder Coca-Cola stattlich bewertet. Wer heute unterbewertete Valoren finden will, muss weit in das unbeliebte Territorium der Rohstoffwerte vorrücken. Dort droht jedoch der sprichwörtliche Griff in ein fallendes Messer: Auch eine günstige Bewertung schützt nicht vor weiteren Verlusten.

Das FuW-Value-Portfolio hat im Verlauf der vergangenen 20 Monate daher eine Art «Barbell»-Strategie verfolgt: Auf der einen Seite umfasst das aus 24 nordamerikanischen und europäischen Aktien bestehende Musterportfolio defensive Hochqualitätswerte wie Nestlé, Johnson & Johnson, Roche oder Anheuser-Busch InBev sowie Technologiegiganten wie Microsoft und Apple. Auf der anderen Seite wurden stetig Positionen in unbeliebten Titeln wie BHP Billiton, Gazprom, EOG Resources oder Standard Chartered aufgebaut. Mit gemischtem Erfolg: Die erste Gruppe erweist sich als Stabilitätsanker, während die zweite Gruppe nach wie vor herbe Verluste erleidet.

Glanzleistung von Temenos

Die Details: Seit Anfang September hat das FuW-Value-Portfolio 10,7% gewonnen. Im Durchschnitt (gleichgewichtet und ohne Dividenden) haben die elf US-Aktien 7,3% zugelegt und damit die Leistung des S&P 500 (+8,1%) verfehlt. Die dreizehn Titel im Europa-Korb sind im Schnitt 4,9% avanciert und haben den Vergleichsindex Stoxx Europe 50 geschlagen.

Währungseffekte spielten im dreimonatigen Berichtszeitraum kaum eine Rolle: Euro und Pfund blieben zum Franken stabil, der Dollar ist marginal erstarkt. Mit Stichtag per 7. Dezember erreicht das Portfolio einen Gesamtwert von 220 425 Fr. Seit der Lancierung im September 2008 hat es in Franken gerechnet gut 120% gewonnen und damit die Vergleichsindizes auf Total-Return-Basis geschlagen.

Der weitaus grösste Performanceanteil in der Berichtsperiode ist Temenos zu verdanken. Die Aktien des Genfer Bankensoftwareherstellers haben 55% gewonnen. Sie wurden im August 2012 zu einem Preis von 13 Fr. gekauft. Seither hat sich der Kurs vervierfacht. Temenos besitzt intakte Perspektiven, doch als Value-Anlage klassifizieren sich die Titel zum gegenwärtigen Bewertungsniveau nicht mehr. Mit Stichtag 7. Dezember wird daher die gesamte Position verkauft, wodurch 22 386 Fr. realisiert werden.

Eine herausragende Performance lieferten im Berichtszeitraum auch Microsoft (+31%), Campari (+22%) und Anheuser-Busch InBev (+24,2%). Der Bierriese AB InBev wird mit der Übernahme von SABMiller einmal mehr beweisen, wie er nach einer Akquisition radikal die Kosten senken und die Rendite erhöhen kann. Auch die Titel des italienischen Hydraulikpumpenherstellers Interpump brillierten mit einer Avance von 18,4%. Alle diese Werte bleiben im Portfolio, allerdings wird die Position in Microsoft um 100 Stück gestutzt, was umgerechnet 5581 Fr. freisetzt.

Neue Position: Deutz

Wenig Freude bereiteten im Berichtszeitraum dagegen die Aktien des Rohstoffriesen BHP Billiton, die 28% einbüssten. Auch Gazprom (–6,1%) und die Titel des britischen Detailhändlers Tesco (–15,6%) erlitten Verluste. Nicht aufgegangen ist bislang die Wette auf Standard Chartered (–21,6%). Die in Grossbritannien domizilierte, operativ in Asien, im Nahen Osten und in Afrika tätige Bank leidet unter dem Abschwung in den Schwellenländern. Im November führte der neue CEO Bill Winters eine Kapitalerhöhung im Umfang von 3,3 Mrd. £ durch und strich die Dividende. In der Kapitalerhöhung berechtigten sieben alte zum Kauf von zwei neuen Aktien zu einem Preis von 465 p. Die nach Erhalt diverser Dividenden im Portfolio vorhandenen Mittel wurden genutzt, um 158 neue StanChart-Aktien zu beziehen.

Per 7. Dezember wird eine neue Position eingegangen: Der deutsche Motorenhersteller Deutz musste im Herbst eine Gewinnwarnung aussprechen, worauf der Aktienkurs rund 40% einbrach. Das in Köln beheimatete Traditionsunternehmen mit einer Marktkapitalisierung von rund 420 Mio. € leidet unter anderem unter der eingebrochenen Nachfrage aus dem Landwirtschafts-Nutzfahrzeugsektor. Deutz wird im laufenden Jahr voraussichtlich keinen Gewinn erwirtschaften, besitzt jedoch eine solide Bilanz. Die Titel handeln gegenwärtig rund 15% unter Buchwert. Im Portfolio werden 2200 Deutz-Aktien zu 3.56 € gekauft.

Abgesehen von diesem Engagement werden keine weiteren Positionen eingegangen oder aufgestockt. Nach dem (Teil-)Verkauf von Temenos und Microsoft verbleibt ein Cash-Bestand von 19 509 Fr. im Portfolio. Er wird eingesetzt, wenn sich günstigere Kaufchancen ergeben. Die nächste Betrachtung des Value-Portfolios erscheint im März.

Leser-Kommentare

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Konstantin Ortulidis 10.12.2015 - 13:05

Hi
wie kommen sie bitte auf 15% unterm Buchwert? Können Sie das ein wenig näher erläutern?
danke im voraus