Im Januar bezeichnete der frühere Golfspieler Brandel Chamblee den 394-Meter-Drive von Dustin Johnson, 33, am Tournament of Champions als den schönsten in der Geschichte der PGA-Tours. Der aus Columbia, South Carolina, stammende Berufsgolfer ist zurzeit weltweit die Nummer eins und die Nummer drei der PGA-Tour. Wird es ihm gelingen, die junge Generation ebenso zu faszinieren, wie es sein Landsmann Tiger Woods vor bald 20 Jahren tat? Die Golfverbände in aller Welt hoffen darauf, denn in der Schweiz wie in andern Ländern hat dieser Sport Mühe, die jungen Menschen zu begeistern. Laut Schweizer Golfverband spielen 92’000 Personen Golf, und die einheimischen Golfplätze rühmen sich des höchsten Frauenanteils (36%) Europas. Allerdings liegt das Durchschnittsalter über 50, und nur gerade 6% der Golfspieler sind unter 18 Jahre alt. Begegnung mit einem Champion, dessen Siegeslust unbegrenzt ist und dessen Aktivitäten in den sozialen Medien die Golfbegeisterung neu erwecken könnten.

Sie haben sechzehn Titel gewonnen (Stand Ende 2017, anlässlich des Interviews, Anm. d. Red.), darunter das U.S. Open, und stehen damit an der Spitze der Weltrangliste. Was verschafft Ihnen die intensivere Befriedigung: Nummer eins oder Turniersiege?
Beides, sowohl die Nummer eins zu sein, als auch Titel zu gewinnen. Vielleicht sind die Titel eine Spur wichtiger. Die Position der Nummer eins zeigt, dass man langfristig die richtigen Entscheidungen gefällt hat Aber wie alle Golfspieler liebe ich die Emotionen des Siegs und das herrliche Gefühl, die Trophäe in den Händen zu halten.

Gibt es Turniere, die Ihnen mehr am Herz liegen und die Sie neu oder wieder gewinnen möchten?
Für mich sind alle wichtig. Ich bin einer der Sportler, die immer gewinnen wollen. Natürlich gibt es die World Golf Championships, die von den PGATours organisierte, aus vier Turnieren bestehende jährliche Veranstaltungsserie für männliche Profigolfer. Sie sind die prestigereichsten Anlässe mit denhöchsten Erwartungen und der grössten Medienaufmerksamkeit. Mache ich an einem Turnier mit, dann ist es, um zu gewinnen. Und zwar unabhängig davon, ob es das erste Mal ist. Ich will wissen, wie sich der Sieg anfühlt. Und wenn ich den Titel schon mal errungen habe, ist es die Herausforderung, den Sieg zu wiederholen, die Trophäe zu behalten. Mein Appetit ist unstillbar, ich bin ein fanatischer Wettkämpfer.

Als Sie Nummer eins wurden, sagte Ihr Coach: «Viele Leute denken, dass er nicht genügend hart arbeitet, in Wirklichkeit aber absolviert er ein beträchtliches Pensum.» Weshalb, glauben Sie, haben manche Leute solche Vorurteile?
Oh… (lächelt lange, bevor er antwortet) Wissen Sie, viele Beobachter des Golfmilieus meinen, dass man pausenlos auf dem Platz arbeiten muss. Manche Leute sagten, dass ich mich glücklich schätzen sollte, mit meinem knappen Trainingspensum überhaupt unter die Top Ten zu gelangen. Dabei trug ich schon immer dieses Talent und diese Ambition in mir. Es reichte mir nicht mehr, einfach nur gut zu sein, ich wollte gross sein. Ich betrachtete meine Karriere und mein Spiel, suchte nach Verbesserungen und wollte mich anstrengen, um Fehler auszumerzen. Und es gelang. Aber für manche Menschen ist dies vielleicht zu wenig.

Sie haben öffentlich erklärt, dass Sie Nummer eins werden wollten. Jetzt stehen Sie an der Spitze und haben das Ziel erreicht. Wo finden Sie die Motivation, ganz oben zu bleiben?
Mich zu motivieren, ist ziemlich einfach: Es gefällt mir, die Nummer eins zu sein, ich liebe den Sieg und Turniere zu gewinnen. Für mich ist es somit natürlich, ich muss die Motivation nicht suchen. Diese Challenge genügt, um mich zu motivieren, das Beste zu geben, noch intensiver zu trainieren und zu arbeiten. Dies gibt mir zusätzliches Selbstvertrauen. Bis jetzt hat es funktioniert. Je weiter oben ich bin, desto motivierter bin ich und desto mehr arbeite ich.

Als Sie Nummer eins wurden, sagten Sie, dass Ihnen die Klassierungen ein Rätsel sind. Immer mehr Akteure fordern Veränderungen, vor allem auch, um neue und junge Spieler anzuziehen. Welches sind die Änderungen, die Sie unterstützen können?
Der Golfsport zeigt schon jetzt eine grosse Dynamik, ist auf dem richtigen Weg. Zweifellos gibt es Punkte, die modifiziert werden müssen. Aber ich stelle fest, dass sich die Weltspitze erneuert hat. Es gibt hochtalentierte, junge Topspieler und in ihrem Gefolge viele junge Spieler. Die Bedingungen sind also vorhanden, um Neulinge anzuziehen.

Einige Turnier sind innovativ, indem sie die Zeit messen, die die Sportler für ihre Schläge benötigen, mit dem Ziel, das Spiel zu beschleunigen. Was ist Ihre Beziehung zur Zeit?
Während des Wettbewerbs auf dem Platz messe ich die Zeit nicht wirklich. Zeitmessen ist bis jetzt kein massgebendes Element des Spiels. Wichtig ist, einen Schlag zu reüssieren. Natürlich kann es vorkommen, dass ich finde, ein Konkurrent lasse sich gar viel Zeit. Diese Überlegungen macht man aber nur, wenn man nicht mitten im Gefecht ist. Ist man auf seinen Schlag konzentriert, denkt man nicht an die Zeit. Anderseits gibt es den Begriff Timing. Dieses betrifft jede Bewegung des Spielers. Für einen guten Swing braucht es ein gutes Timing, betreffend externe Faktoren, die Umgebung, die Konzentration… Hingegen ist Zeit in meinem Alltag unglaublich wichtig für mich. Sobald ich nicht mehr auf dem Golfplatz bin, benötige ich eine sehr präzise Agenda. Ich muss wissen, wann ich was tun muss. Wann aufstehen, um nicht in Zeitnot zu geraten. Alles, was ausserhalb des Green passiert, basiert auf Zeit und Zeitmessung. Seit ich Nummer eins geworden sind, haben sich auch die Anforderungen an mich vervielfacht. Um top zu bleiben, muss ich meine Zeit optimal nutzen und darf mich nicht verzetteln.

In Ihrem Leben wird die Zeit immer weniger und somit kostbarer. Wie gehen Sie damit um?
Zeit ist für mich zum Luxus geworden. Sobald ich einen Moment habe, versuche ich, Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Allerdings sind diese Momente wegen meiner zahlreichen Verpflichtungen selten geworden. Ich verbringe Zeit mit meinen Kindern, spiele und entspanne mich mit ihnen. Oder gehe fischen, eine meiner grossen Leidenschaften. Diese Momente sind für mich eine Regenerationsquelle und sehr kostbar, denn sie helfen, wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Angesichts dessen, was ich jetzt als weltbester Golfspieler erlebe, sind diese Verschnaufpausen wichtiger denn je. Schaue ich genau hin, ist eigentlich alles sehr eng mit der Zeit verbunden.

Ihr Partner Hublot bringt die Big Bang Unico Golf heraus, bei der das Chronographenwerk mit einem Modul ausgestattet ist, das die Anzahl Schläge pro Loch und den Runden-Score anzeigt. Waren Sie an der Entwicklung beteiligt?
Als die Marke mich kontaktierte, war ich total aufgeregt. Ich hatte Gelegenheit, Prototypen zu tragen, meine Meinung zu Grösse, Gewicht, Materialien und Funktionen abzugeben. Ich habe die Entwicklung sehr nahe verfolgt. Die Uhr muss für den Golfsportler nützlich sein, aber sie darf ihn nicht behindern. Ich glaube, das ist uns mit diesem Modell gelungen. Und für mich als Uhrenfan ist es schon etwas sehr Besonderes, dass ich zur Entstehung dieses Zeitmessers beitragen konnte.

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