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Erstes IPO eines Derivat-Anbieters

Die Derivatspezialistin EFG Financial Products lanciert definitiv den Gang an die Schweizer Börse SIX. Erster Handelstag der Aktien ist der 19. Oktober. Der Börsenwert beträgt rund 300 Mio. Fr.

Lange Vorbereitung, rasche Umsetzung: EFG (EFGN 6.44 2.22%) Financial Products (EFG FP) nutzt das vorübergehend offene Börsenfenster und geht an die Börse. Der Start des Handels in den Aktien der Derivattochter von EFG International ist auf Ende kommender Woche, den 19. Oktober, angesetzt. Die Preisspanne deutet auf eine vernünftige Bewertung hin. An die Aktionäre sollen künftig 30% des Jahresgewinns ausgeschüttet werden.

Die Aktien werden zu 40 bis 50 Fr. je Titel angeboten. Die Angebotsfrist (Bookbuilding) läuft bis Donnerstag, 18. Oktober. Im Rahmen des Initial Public Offering (IPO) von EFG FP veräussert die Muttergesellschaft bis zu 1,27 Mio. bestehende Aktien. Sie reduziert ihren Anteil am Aktienkapital wie angekündigt von 57 auf 20%, wird bis zu 78 Mio. Fr. lösen und stärkt so ihre Kapitalbasis.

Gründer bleiben dabei

Zusätzlich wird EFG FP 1,66 Mio. neue Titel ausgeben. Dadurch wird das Aktienkapital ein Drittel erhöht. Die vier Gründungspartner von EFG FP halten derzeit 34% des Aktienkapitals, nachher werden es 25% sein Sie haben sich zu einer gestaffelten Haltefrist von fünf Jahren verpflichtet.

Die Mittel werden zur Finanzierung des Wachstums und für IT-Investitionen eingesetzt. Die erst 2007 gegründete EFG FP entwickelt, emittiert und vertreibt strukturierte Produkte. Im Unterschied zur Konkurrenz stellt sie die Optionskomponenten selbst her und optimiert dadurch die Wertschöpfungskette. EFG FP übernimmt auch das Market Making und sorgt für einen flüssigen Handel mit geringen Geld-Brief-Spannen.

Das Unternehmen hat sich in fünf Jahren – in schwierigen Märkten – eine respektable Position in einer Nische des Zertifikatemarkts erobert. Es bietet Produkte für Kapitalschutz und solche für Renditeoptimierung an, jedoch kaum gewöhnliche Hebelprodukte. Kern des Geschäftsmodells ist die integrierte IT-Plattform. Sie ermöglicht institutionellen Kunden, Zertifikate nach Mass herzustellen und das Chancen-Risiko-Profil ständig abzurufen. Kopieren lässt sich das Geschäftsmodell nicht ohne Weiteres.

Mit dem frischen Geld der Aktionäre will das Unternehmen vor allem in Asien wachsen. Dort ist der Derivatmarkt fast so gross wie in Europa. Zudem soll das «White Label»-Geschäft ausgebaut werden, zunächst in der Schweiz. Dabei stellt EFG FP Produkte für Retail- und Kantonalbanken unter deren Namen her und kann so die Infrastruktur besser nutzen.

EFG FP legte bisher ein forsches Wachstumstempo vor. Zwischen 2009 und 2011 nahm der Betriebsertrag im Schnitt 26% pro Jahr zu. Die Gewinnschwelle wurde 2009 erreicht. Im ersten Halbjahr 2012 gelang dem Unternehmen ein Gewinnsprung. Im dritten Quartal setzte sich das Wachstum fort. Für 2013 rechnet CEO Jan Schoch mit einer Einnahmensteigerung von mindestens 20%. Weil die Gesellschaft 2013 und 2014 nur noch je einen zu den bisher zehn Standorten hinzufügen wird, ist mit einem hohen Gewinnzuwachs zu rechnen.

Zum Profil von EFG FP zählen selbstredend auch Risiken. Sie nehmen im Emissionsprospekt breiten Raum ein. Ob die Marke «EFG» wieder ein besseres Image gewinnt, bleibt abzuwarten. Der fünfjährige Zusammenarbeitsvertrag zeigt, dass es dauern wird, bis EFG FP wirklich unabhängig wird.

Zu den besonderen operativen Risiken zählen die Konzentration im Segment der pfandbesicherten Produkte und der geplante Aufbau eines Anleihenportfolios im Umfang von 2 Mrd. Fr., das die Resultate schwankungsanfälliger gestalten könnte, als sie es ohnehin sind. Auf der Ebene des Geschäftsmodells ist ungewiss, ob die «White Label»-Strategie auf die erhoffte Nachfrage stösst. Zudem ist das Geschäft geografisch auf die Schweiz konzentriert. Es wird sich zeigen, wie das Unternehmen die Expansion in andere Rechts- und Kulturräume (immerhin: die USA sind kein Zielmarkt) verdaut.

Vergleich fehlt

Weil es keinen reinen Anbieter von strukturierten Investmentprodukten an der Börse gibt, muss der Markt erst eine Bewertung finden. Die Preisspanne scheint – anders als beim IPO der Mutter 2005 – nicht übertrieben hoch angesetzt zu sein.

Mit einem Ausgabepreis in der Mitte der Angebotsspanne wären die Aktien zu einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10 bewertet. Schon im nächsten Frühjahr können die Aktionäre eine Dividende erwarten, die etwa 3% Rendite entspricht. Für versierte Investoren mit breit diversifiziertem Portefeuille sind EFG Financial Products eine Anlage mit Pep.

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