Meinungen

Ehrlich währt…

Um glaubwürdig zu sein muss eine Bank besonders auch zu ihren Verfehlungen stehen. Ein Kommentar von FuW-Ressortleiter Jeffrey Hochegger.

«Hohe Bussen, Lohnexzesse und schwache Aktienkurse drücken auf die Stimmung gegenüber den Banken. »

Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert. Nachdem die NZZ am Dienstag über einen zweiten Beschattungsfall bei der Grossbank Credit Suisse berichtet hat, denkt man unweigerlich an die eingangs erwähnte Redensart. Hat CS nichts gelernt? Der ehemalige Personalchef Peter Goerke soll überwacht worden sein. Dies, nachdem CS-Chef Tidjane Thiam und Verwaltungsratspräsident Urs Rohner die Beschattung ihres früheren Kollegen Iqbal Khan als «isolierten Einzelfall» bezeichnet hatten.

Das wirft kein gutes Licht auf die CS, und auch nicht auf den Finanzplatz Schweiz. Selbst wenn das Vorgehen rechtlich in Ordnung sein mag, moralisch ist es das nicht.

Aus Diskretionsgründen bleiben solche Fälle in der Regel unbekannt. Nur wenn etwas schief läuft, wird berichtet. Nötigung – so lautet dann oft der Vorwurf. Sollte die Credit Suisse in die Überwachung involviert sein, täte es ihr gut, mit offenen Karten zu spielen. Nur so kann sie ihre angeschlagene Glaubwürdigkeit wenigstens teilweise wiederherstellen.

Das ist ein Problem, das den gesamten Finanzplatz belastet. Hohe Bussen, Lohnexzesse und schwache Aktienkurse drücken auf die Stimmung gegenüber den Banken. Da braucht es wenig, dass Anleger und Kunden den Grossbanken den Rücken kehren. Noch profitiert der Bankenplatz Schweiz von seinem guten Ruf, doch das Eis wird dünner. Aufrichtigkeit und Vertrauen ist das oberste Gut im Bankgeschäft. Wer leichtfertig damit umgeht, verliert. Es bleibt zu hoffen, dass sich Credit Suisse aus dieser Schlinge befreien kann. Zweifel sind aber berechtigt.

Leser-Kommentare

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Peter Martin Wigant 19.12.2019 - 00:40

Liebe FuW,
Lernbedürftige gibts viele; Lernwillige schon weniger, aber Lernfähige sind sehr rar. Nach den Kapriolen die uns UBS und CS in den vergangenen Jahren bescherten, scheinen sich Banker nicht für die letztere Kategorie zu qualifizieren.
PW