Unternehmen / Schweiz

Eigenkapitalquote von 20% – Schwarze Zahlen im Jahr 2005 – Auftragsrückgang gefährdet Gesundung – Beschränktes Kurspotenzial

Die finanziellen Voraussetzungen für den Turnaround der Swisslog sind vorhanden. Mit der Sanierung des Logistikunternehmens, die Mitte Mai abgeschlossen wurde, wurde das negative Eigenkapital beseitigt, wie die Sanierungsbilanz zeigt. Die kurzfristigen Darlehen konnten durch den teilweisen Forderungsverzicht der Banken sowie die Umwandlung in Eigenkapital um 184 Mio. Fr. reduziert werden. Zurzeit weist Swisslog mit 85,5 Mio. Fr. Eigenmitteln eine Eigenkapitalquote von 20% auf.
Die Sanierung forderte ihren Tribut – besonders von den Altaktionären: Sie mussten einen Kapitalschnitt um 95% oder von 2 Fr. auf 1 Rp. je Aktie schlucken. An der Kapitalerhöhung durften sie nur beschränkt teilnehmen. Sie konnten drei neue für zwei alte Aktien zum Preis von 1 Fr. beziehen. Das Aktienkapital beträgt neu 1,8 Mio. Fr. und setzt sich aus 180 Mio. Titeln à 1 Rp. nom. zusammen. Der Grossteil der neuen Papiere wurde von neuen Investoren gezeichnet. Sie sind an keine Sperrfrist gebunden und grösstenteils nicht bekannt, ausser ihre Beteiligung überschritt die 5%-Marke, die sie zur Offenlegung zwingt. Zu diesen gehören Julius Bär Investment Funds Services, Zulauf Asset Management und Promontoria.

Hohe Goodwillposition

Auch nach der Sanierung strotzt die Bilanz nicht vor Kraft. Die Eigenkapitaldecke ist dünn und weiterhin kleiner als der Goodwill von 102 Mio. Fr. Die jährliche Amortisation – sie betrug im vergangenen Jahr 35 Mio. Fr. – fällt zwar mit der neuen IFRS-Regel ab 2005 weg, was die Erfolgsrechnung stützt. Angesichts der hohen Belastung klärt das Unternehmen ab, ob es die neue Regel bereits im laufenden Jahr anwenden kann. Zum heutigen Zeitpunkt ist der bilanzierte Goodwill werthaltig. Trotzdem ist Vorsicht geboten: Zeigt der jährliche Impairment-Test infolge einer Verschlechterung der Marktbedingungen einen Wertverlust, muss der Goodwill umgehend um die Differenz reduziert werden, was das Eigenkapital erneut schwächen würde.
Die Zahlen der ersten vier Monate des laufenden Jahres lassen Anzeichen operativer Fortschritte erkennen. Umsatz und Bruttogewinn (Ebitda) verbesserten sich im Vergleich zum Vorjahr. Der Unternehmensgewinn von 12 Mio. Fr. ist hingegen einzig einem Sonderertrag von 29 Mio. Fr. zu verdanken. Der Buchgewinn entstand durch eine Bewertungskorrektur der ausstehenden Wandelanleihe mit Laufzeit bis 2009.

Kein Aufwärtstrend in Sicht

Die magere Auftragslage ist im Restrukturierungsprozess ein Unsicherheitsfaktor. Die Verunsicherung über das Weiterbestehen der Swisslog hat das Vertrauen der Kunden beeinträchtigt. Der Bestellungseingang sank 26% auf 176 Mio. Fr., und der Auftragsbestand reduzierte sich 19% auf 430,5 Mio. Fr.
Gemäss Swisslog-Chef Remo Brunschwiler fassen die Kunden seit der erfolgreichen Sanierung wieder Vertrauen, einen Aufwärtstrend im Bestellvolumen stellt er jedoch nicht fest. Der intensive Konkurrenzkampf im Logistikmarkt erschwert die Trendwende zusätzlich. Trotzdem hält Brunschwiler an den Zielen fest: 2005 wieder schwarze Zahlen schreiben, in zwei bis drei Jahren 700 bis 800 Mio. Fr. Umsatz und eine Ebitda-Marge von 8% erreichen.
Die Aktien Swisslog pendelten sich nach der Kapitalerhöhung auf das Kursniveau von 1.20 Fr. ein. Die Risiken einer Investition sind wie mit jeder Turnaround-Aktie überdurchschnittlich – die Kursgewinnchancen dagegen vorerst begrenzt. Die Ungewissheit über die neuen Aktionäre, die 1 Fr. bezahlt haben, wird die Valoren längere Zeit belasten. Jede Kursavance erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihren Gewinn realisieren. Die Anlagequalität ist noch ungenügend.

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