Zum Thema: Ausnahmezustand in Omaha

Ein Abbild von Corporate America

Berkshire Hathaway ist zu einem riesigen Sammelsurium an Unternehmen herangewachsen.

Berkshire Hathaway (BRK.A 427'701.00 +0.96%) ist alles andere als ein gewöhnliches Konglomerat. Vielmehr ist die Investmentgesellschaft von Warren Buffett eines der mächtigsten Imperien der heutigen Wirtschaftswelt. Über die vergangenen Dekaden hat Buffett ein riesiges Sammelsurium an Unternehmen zusammengekauft, die die unterschiedlichsten Zweige von Corporate America abdecken – vom Süssigkeitenhersteller See’s Candies und dem Kleiderproduzenten Fruit of the Loom über Medienhäuser wie die Buffalo News bis hin zum Chemiekonzern Lubrizol.

Der Einfluss Omahas auf das Tagesgeschäft der Tochtergesellschaften wird allerdings auf ein Minimum begrenzt. Zentralisierte Funktionen wie Marketing, Einkauf oder Personalwesen gibt es nicht. Das Mutterhaus ist primär dafür verantwortlich, über die Allokation des verfügbaren Kapitals zu entscheiden, die Aktienbeteiligungen zu koordinieren sowie die Manager der Tochterunternehmen zu bestimmen. Diese Herangehensweise zeigt sich auch in der Struktur der Belegschaft.

So stehen den gesamthaft 340 000 Arbeitnehmern lediglich 25 Stellen in der Zentrale gegenüber.

Wie diversifiziert das Portfolio von Berkshire Hathaway ist, illustriert die Erfolgsrechnung. Zwar trug 2014 allein das Versicherungsgeschäft rund 26% zum Gesamtgewinn bei. Dahinter ist das Fundament aber breit abgestützt.

Zahlreiche Aktienbeteiligungen

Die schiere Grösse der Rückversicherungssparte hat dennoch Fragen zur Stabilität aufgeworfen. So kritisierte jüngst die Bank of England, dass Berkshire Hathaway bislang nicht in die Liste des Financial Stability Boards aufgenommen worden sei, auf der systemrelevante Institute figurieren («too big to fail»). Buffett schrieb dazu im aktuellen Aktionärsbrief, der von Ajit Jain geleitete Bereich würde das Konglomerat niemals Risiken aussetzen, die die verfügbaren Kapitalressourcen überschreiten würden.

Neben den konsolidierten Tochtergesellschaften verfügt Berkshire Hathaway über zahlreiche Aktienbeteiligungen, deren Gesamtwert per Ende 2014 mehr als 117 Mrd. $ betrug. Im Anlageentscheid folgt Buffett grundsätzlich seinem Vorsatz: «Es ist besser, ein tolles Unternehmen zu einem ordentlichen Preis zu kaufen, als ein ordentliches Unternehmen zu einem tollen Preis.»

Exzellente Geschäftsmodelle

Die Qualität eines Investments leitet Buffett von der Marktstellung ab. So bevorzugt er Unternehmen aus Branchen mit hohen Eintrittsbarrieren, woraus sich langfristige Wettbewerbsvorteile ergeben – wie beim Getränkeriesen Coca-Cola (KO 54.48 -0.24%), der schon lange zentraler Bestandteil des Berkshire-Portfolios ist.

Über das vergangene Jahr hat sich die Beteiligungsquote an den «Grossen Vier» – Wells Fargo, American Express (AXP 175.81 +2.51%), Coca-Cola und IBM (IBM 144.61 +0.85%) – weiter erhöht. Der Grund: Die Konzerne besässen einerseits allesamt exzellente Geschäftsmodelle. Andererseits würden sie von Managern geleitet, die sowohl talentiert als auch aktionärsorientiert seien.

Nur bei IBM wurden 2014 auch neue Titel dazugekauft. Bei den anderen drei Grossunternehmen hat sich die Beteiligungsquote automatisch erhöht, weil Rückkaufprogramme die Zahl ausstehender Aktien verringert haben. Angesichts der langen Haltezeit überrascht kaum, dass beinahe alle Positionen deutlich im Plus liegen. Einzig die erst 2011 initiierte IBM-Beteiligung notierte zu Jahresbeginn im roten Bereich.

Weitere Artikel zu: 50 Jahre Berkshire Hathaway