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Märkte / Derivate

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte

Max Lüscher-Marty
Auszahlungsprofile von strukturierten Produkten sorgen oft für mehr Verwirrung als Klarheit. Um ­Mehrwert zu schaffen, müssen sie individualisiert werden. Aber auch dann braucht’s Lesehilfen.

Die geschickte Kombination von Wort und Bild schafft «Aha-Erlebnisse». Doch Pay-off-Diagramme – als klärende Bilder gedacht – sorgen oft mehr für Verwirrung, als sie weiterhelfen. Das liegt daran, dass sie nicht einfach Charts sind, aber auch daran, dass sie immer und überall in einer Nullachtfünfzehn-Version daherkommen. Für eine bessere Aussagekraft müssen sie individualisiert werden, wobei auch dann Lesehilfen von Vorteil sind.


Pay-off- sind Was-wäre-wenn-Diagramme. Sie legen offen, wie hoch der Gewinn/Verlust eines Investments ist, wenn sich das preisbestimmende Produkt (Basiswert, Underlying) um einen bestimmten Betrag bewegt. Pay-off-Diagramme haben keine Zeitachse, sie gelten für einen bestimmten Stichtag. Bei strukturierten Produkten ist das immer der Verfalltag. Auf der Waagrechten ist die Entwicklung des Underlying dargestellt. In der Mitte steht der Referenzkurs, also der Kurs, auf den sich die Gewinn-/Verlustrechnung bezieht. Bei Struki ist das typischerweise der Ausübungspreis (Strike), der im Idealfall dem Kurs des Underlying zum Emissionszeitpunkt entspricht. Die Senkrechte ist die Gewinn-/Verlustachse mit dem Nullpunkt in der Mitte.
Wie Grafik 1 zeigt, lassen sich bei Pay-off-Diagrammen vier Quadranten unterscheiden. Aus den Quadranten 1 und 2 werden Gewinne ersichtlich, aus den Quadranten 3 und 4 Verluste. Zur Illustration: Der Kauf von Aktie L zu 50 Fr. zieht bei einem Kursanstieg auf 60 Fr. einen Gewinn von 10 Fr. und bei einem Rückgang auf 42.50 Fr. einen Verlust von 7.50 Fr. nach sich. Der Leerverkauf von Aktie L zu 50 Fr. führt bei einem Kursrückgang auf 45 Fr. zu einem Gewinn von 5 Fr. resp. bei einem Anstieg auf 62.50 Fr. zu einem Verlust von 12.50 Fr.

Beispiel Call Warrant

Jetzt ein Beispiel: Zehn Call Warrants verleihen das Recht, aber nicht die Pflicht, die Aktie L während einer Laufzeit von 180 Tagen zum Ausübungspreis von 50 Fr. zu erwerben. Ein Call Warrant wird zu 0.35 Fr. offeriert. Das Recht zum Bezug einer Aktie L kostet demnach 3.50 Fr. (10×0.35 Fr.). Grafik 2 zeigt dazu ein individualisiertes Pay-off-­Diagramm. Notiert Aktie L per Verfall 50 Fr. oder darunter, verliert der ­Investor von zehn Call Warrants den ganzen Einsatz von 3.50 Fr. Bei einem Schlusskurs von Aktie L von 52.50 Fr. wären die zehn Call Warrants noch 2.50 Fr. wert (52.50–50), und es resultierte ein Verlust von 1 Fr. (3.50–2.50). Erst ein Schlusskurs von über 53.50 Fr.­ ­(=Gewinnschwelle) ergäbe einen Gewinn. Dieser kann, gemessen am geringen Einsatz von 3.50 Fr. pro Aktie, beträchtlich sein. Notiert Aktie L per Verfall 55 Fr., ergibt sich eine Rendite von nicht

weniger als 42,86% (1.50 von 3.50). Dagegen nehmen sich die 10% (5 von 50) des Direktinvestors geradezu bescheiden aus.
Das Diagramm macht aber auch deutlich, dass Direktinvestments bei geringen Kursschwankungen im Vorteil sind. Schliesst Aktie L auf 47.50 Fr., verliert der Direktinvestor «bloss» 2.50 Fr., der Call-Anleger dagegen 3.50 Fr. Erst wenn Aktie L per Verfall um mehr als 3.76 Fr. zulegt, fährt der Call-Investor prozentual besser. Mit einem Schlusskurs von Aktie L von 53.76 Fr. rentiert die Direktanlage 7,52% (3.76 von 50) und das indirekte Investment 7,42% (0.26 von 3.50).

Long-Mini-Futures

Nächstes Beispiel: Hundert Long-Mini-Futures partizipieren im Verhältnis eins zu eins an Aktie L. Bei einem Referenzkurs von 50 Fr. und einem Finanzierungslevel von 40 Fr. wird ein Long-Mini-Futures zu 0.10 Fr. offeriert. Der Stop-Loss-Level ist auf 43.50 Fr. festgelegt.

Mithilfe von Grafik 3 lässt sich der Long-Mini-Futures leicht erklären: Der Abstand zwischen der aktuellen Notierung von Aktie L und dem Finanzierungslevel entspricht dem Preis von hundert Mini-­Futures. Bei der Emission sind das 10 Fr. (50–40). Steigt Aktie L auf 55 Fr., legen hundert Mini-Futures von 10 auf 15 Fr. (55–40) zu. Das entspricht einer Rendite, die fünfmal höher ist (50%) als die des Direktinvestments in Aktie L (10%). Die unbestimmte Laufzeit von Mini-Futures endet, wenn das Underlying den Stop Loss berührt oder unterschreitet. Gelingt dem Emittenten eine Glattstellung zu 42.50 Fr., wird dem Investor ein Knock-out-Beitrag von 2.50 Fr. (42.50–40) ausgezahlt. Im schlimmsten Fall endet die Anlage mit einem Totalverlust.

Barrier Reverse Convertible

Noch ein Beispiel: Ein Emittent lanciert einen Barrier Reverse Convertible im Nennwert von 1000 Fr. auf Aktie L mit einer Laufzeit von einem Jahr und einem Coupon von 10%. Bei einem Referenzkurs/Ausübungspreis von 50 Fr. ist die Barriere bei 37.50 Fr. fixiert.
Wie Grafik 4 zeigt, erhält der Investor pro Aktie 55 Fr. (50 Fr. + 5 Fr. Zins), sofern die Barriere nicht verletzt wird. Mit dem Nennwert 1000 Fr. sind das per Verfall 1100 Fr. in bar. Wird die Barriere verletzt (Grafik 5) und notiert Aktie L tiefer als der Ausübungspreis, werden per Verfall zwanzig Aktien angedient und ein Zins von je 5 Fr. ausgezahlt. Fällt L unter 45 Fr., ist der Coupon «verzehrt», und die Rendite wird negativ. Die Outperformance-Schwelle von 55 Fr. markiert das Kursniveau, ab dem ein Direktinvestment in Aktie L besser abschneidet.