Eine Marketingstrategie, die mit ehemaligen Stars wirbt, muss glaubhaft sein. Das denken sich die Chefs, so sieht es aus, des erst zwei Jahre alten amerikanischen Unternehmens MyHeritage. Sie haben gerade die beiden ehemaligen Topfussballer Lothar Matthäus und Robert Pires als Markenbotschafter engagiert.

In einem Videoclip auf Facebook erfährt Lothar Matthäus, dass er statt des Trikots der deutschen Mannschaft das des englischen Teams hätte tragen müssen, sagt jedenfalls sein genetisches Profil. Und Robert Pires hätte eigentlich Spanien oder Italien und nicht den Franzosen zum Weltmeistertitel verhelfen sollen.

Seit Unternehmen wie AncestryDNA, LivingDNA oder iGenea die genetische Ahnenforschung per Internet kommerzialisieren, suchen immer mehr Menschen im World Wide Web nach ihren genetischen Wurzeln. Wer eine Speichel- oder Hautprobe einschickt und eine Gebühr von 70 bis 300 Fr. überweist, kann die eigene DNA mit den typischen Eigenschaften von sogenannten Urvölkern (Iberer, Kelten, Slawen und so weiter) vergleichen und so seine ethnische Herkunft ermitteln lassen.

MyHeritage verzeichnet 97 Mio. Nutzer, AncestryDNA mehr als 10 Mio. In Amerika sind solche Analysen bereits seit Längerem stark verbreitet, jetzt ist die Welle auch auf Europa übergeschwappt. Caroline Barkan von iGenea mit Sitz in Baar im Kanton Zug sagt: «Unsere Dienstleistungen stossen seit zwei Jahren auf wachsendes Interesse.» iGenea bietet umfassende DNA-Analysen zur Ahnenforschung an: Genomanalysen für die Bestimmung der regionalen Herkunft und Mitochondrien-DNA-Tests respektive Y-Chromosom-Tests zur Nachverfolgung der mütterlichen oder der väterlichen Linie.

Schwierige Urvölker

Aber – wie seriös können solche Analysen tatsächlich sein? Dank der Verbreitung der automatischen DNA-Sequenzierung und der inzwischen etablierten Methoden der Mitochondrien- und der Y-Chromosom-Analysen gelten sie als recht verlässlich. Eine Garantie gibt es aber nicht: Rechercheure von Radio Canada etwa haben 2016 mit ein und derselben Person drei verschiedene Anbieter getestet.

Und während die Testergebnisse der Anbieter 23andme sowie AncestryDNA ähnlich waren, kam die Firma EasyDNA auf ganz andere Resultate. Der plausibelste Grund für die Unterschiede ist wohl, dass sich keine Referenzgruppen für die Urvölker bestimmen lassen – niemand verfügt über die DNA von Kelten oder Wikingern. «Bestenfalls findet man bei den Bewohnern einer bestimmten Region konstante genetische Merkmale», sagt Samia Hurst, Leiterin des Instituts für Geschichte, Ethik und Geisteswissenschaften der Universität Genf.

«Das würde heissen, dass sie von einem Volk, das sich zu einer bestimmten Zeit in einer bestimmten Region niedergelassen hat, abstammen.» Aber selbst diese Völker waren damals das Resultat einer genetischen Vermischung. Weshalb Hurst folgendes, garantiert zutreffendes Fazit zieht: «Es gibt keine ethnischen oder gar rassentypischen Gene.»