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Blogs / Fintech

Ein Blockchain-Start-up auf dem Weg zum Mars

Valentin Ade
Das Zuger Jungunternehmen Tezos bricht einen Finanzierungsweltrekord. Jetzt greifen seine Gründer nach staatlicher Macht.

Ein Blockchain-Start-up hat vor knapp einer Woche einen Crowdfunding-Weltrekord gebrochen. Tezos, eine Stiftung mit Sitz in Zug, hat innerhalb einer Woche über 220 Mio. $ eingenommen. Dies über ein sogenanntes Initial Coin Offering (ICO).

Beim ICO gibt ein Blockchain-Unternehmen eine eigene digitale Währung heraus und nimmt dafür bestehende digitale Währungen wie Bitcoin oder Ether oder eine klassische wie Dollar ein (das ICO wird hier erklärt).

ICO schiessen zurzeit wie Pilze aus dem Boden, einige Start-ups bedienen sich dabei des Zuger Stiftungsmodells, das es ihnen erlaubt, grosse Geldbeträge von anonymen Spendern entgegenzunehmen (ebenfalls mehr dazu hier).

Auf dem Weg zum Mars

Doch zurück zum Weltrekordler Tezos. Hinter Tezos steht das Ehepaar Kathleen und Arthur Breitman, Gründer des Unternehmens Dynamic Ledger Solutions (DLS). Sie haben ihren Hintergrund in der Finanzbranche und der Beratungsindustrie. Durch das ICO sind die Breitmans Millionäre geworden.

Konsultiert man die Unterlagen zum ICO, soll die Tezos-Stiftung nämlich 8,5% der aufgenommenen Mittel dafür verwenden, DLS zu kaufen. Das sind aktuell rund 19 Mio. $.

Doch Tezos hat noch weit höhere Ziele, als ihre Gründer reich zu machen. Tezos nennt sie ihre «Mars-Flüge»: die Ziele, die verfolgt werden sollen, wenn die Stiftung beim ICO richtig absahnen sollte – was sie ja getan hat.

Zum einen soll Tezos’ Produkt weiterentwickelt werden. Tezos verspricht eine neue Art der Blockchain, die vor allem punkto Verwaltung und Weiterentwicklung den bisherigen Netzwerken überlegen sein soll (die Entwickler versuchen es hier so einfach wie möglich zu erklären).

Die Blockchain hat ein grosses Potenzial, alle Prozesse, bei denen sich mehrere Parteien über Dinge einig werden müssen, zu vereinfachen, zu beschleunigen und zu verbilligen (mehr dazu lesen Sie hier).

Verhandlungen mit «kleinem Nationalstaat»

Die weiteren Mars-Flüge haben es aber in sich. So sollen neben der Finanzierung eines führenden Instituts für Computerwissenschaft mit Stellen für Professoren und Doktoranden Print- und TV-Medien gekauft werden, um den Nutzen der Blockchain «in der Gesellschaft zu fördern und zu verteidigen».

Des Weiteren will Tezos mit einem «kleinen Nationalstaat» verhandeln, damit er die digitale Tezos-Währung als offizielle Landeswährung anerkennt, «was Tezos sofort bevorzugte Behandlung punkto Finanzregulierung geben wird».

Doch dem nicht genug. Wie jeder gute Superschurke seit Lex Luthor will Tezos vor allem eines: Land! Mit dem kleinen Nationalstaat soll ebenfalls verhandelt werden, «um Staatsland zu kaufen oder zu pachten».

Da Tezos bereits in Zug sitzt, wird vielleicht der Bundesrat bald eine Einladung zu Verhandlungen bekommen.