Unternehmen / Schweiz

Ein CEO kostet dreimal so viel wie ein VR-Präsident

Im Schnitt verdiente der CEO eines Schweizer Unternehmens 2011 3,2 Mio. Fr. Ein Verwaltungsratspräsident bekam durchschnittlich 1,1 Mio. Fr.

Die Stiftung Ethos verfasst alljährlich eine Studie über die Managementvergütungen der hundert grössten kotierten Unternehmen der Schweiz. 2011 ist die Summe der Löhne in den Teppichetagen gegenüber dem Vorjahr 6% gesunken.

Die Unterschiede zwischen den Branchen sind markant: Während im Finanzsektor, dem etwa ein Drittel aller analysierten Unternehmen zuzuordnen ist, die Entschädigungen insgesamt 23% abgenommen haben, war in den anderen Sektoren eine Zunahme von 5% zu verzeichnen.

Viel weniger für Banker

Im vergangenen Jahr verdiente ein Verwaltungsratspräsident (VRP) im Schnitt 17% weniger als im Vorjahr, 1,1 Mio. Fr. Andere Verwaltungsratsmitglieder erhielten durchschnittlich 210’000 Fr. (–4%). In 78% der Unternehmen bekam der VRP mehr als doppelt so viel wie die anderen Ratsmitglieder. Der CEO als oberstes Geschäftsleitungsmitglied erhielt im Schnitt eine Vergütung von 3,2 Mio. Fr. (–6%), während die anderen Geschäftsleitungsmitglieder 1,8 Mio. Fr. verdienten.

Die höchsten Einbussen verzeichneten die Führungsmitglieder von SMI-Unternehmen. Besonders im Finanzsektor nahm die Vergütung gegenüber dem Vorjahr 18 bis 32% ab. Die Entschädigung in kleineren Unternehmen dagegen verhielt sich nur leicht abnehmend bis stabil.

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Die Löhne der Geschäftsleitung und des Verwaltungsrats müssen die Unternehmen seit dem 1. Januar 2007  gemäss Obligationenrecht (OR) offenlegen. Dies bedeutet aber noch lange nicht, dass Investoren über die Entschädigung in der obersten Chefetage mitreden können.

2012 liessen 49% aller untersuchten Unternehmen die Aktionäre über die Vergütung abstimmen

. Das sind vier Unternehmen mehr als im Vorjahr. Als einzige Gesellschaft im Leitindex lässt der Uhrenkonzern Swatch Group (UHR 245.3 -0.77%) keine Konsultativabstimmung durchführen.

Details zählen

Fortschritte gegenüber dem Vorjahr stellt Ethos in Bezug auf die periodengerechte Abgrenzung der Vergütungen fest. Auch die Leistungskriterien der variablen Vergütung werden häufiger offengelegt. Ethos betont, Investoren würden von der Möglichkeit zur Äusserung ihres Unmuts über die Vergütung Gebrauch machen. An den letzten Generalversammlungen erhöhte sich der durchschnittliche Anteil von Gegenstimmen auf 14,4%

. Die Abstimmungsergebnisse bei Konsultativabstimmungen sind nicht zwingend, können aber ein Zeichen setzen.

Nicht nur die Höhe der Entschädigung, sondern v.a. die Details zu ihrer Berechnung sind relevant. Verbesserungspotenzial hat die Transparenz im Bereich der zur Vergütungsbestimmung herangezognen Referenzgruppe oder des Ziel- und des Maximallohns. Ein Vergleich zwischen den Unternehmen wird erschwert durch uneinheitliche Offenlegung und Bewertung von Aktien- und Optionenanteilen.

Wachsame Aktionäre

Insgesamt stören sich die Aktionäre gemäss Studie besonders an Beteiligungsplänen, die zu grosszügige Zuteilungen oder Hebeleffekte vorsehen. Ein Vergütungssystem steuert neben dem Leistungsanreiz auch das Risikoverhalten. Der variable Teil der Entlohnung macht in der Geschäftsleitung von SMI-Unternehmen den grössten Teil aus. Er betrug in der Finanzbranche 2009 bis zu drei Vierteln, nun wird in allen Branchen etwa zwei Drittel variabel bezahlt. Im Fall eines Konjunkturaufschwungs könne dies zu sehr hohen Vergütungen im variablen Bereich führen, gibt Ethos zu bedenken.

Seit der Finanzkrise sind Anleger auf falsche Anreizstrukturen besonders sensibilisiert. Der offensive Einbezug von Investoren in einer Konsultativabstimmung nimmt radikalen Forderungen etwas die Spitze.