Meinungen

Ein Geschenk von Donald Trump

Der US-Präsident stösst verlässliche Alliierte vor den Kopf – China ist der grosse strategische Gewinner. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Mark Dittli.

«Xi Jinping dominiert die Weltbühne nicht nur als Verteidiger des Freihandels, sondern neuerdings auch noch Beschützer des Weltklimas.»

Geopolitische Gewichtsverlagerungen beginnen oft mit subtilen Signalen. Ein derartiges Signal sandte am Montag Shinzo Abe aus: An einer Konferenz in Tokio pries Japans Premierminister die «Belt and Road»-Initiative und sagte, das von Chinas Staatspräsident Xi Jinping lancierte Infrastrukturprojekt biete das Potenzial, Ost mit West zu verbinden. Tokio sei unter bestimmten Voraussetzungen bereit für eine Kooperation.

Die Bedeutung dieser Worte ist nicht zu unterschätzen und signalisiert eine Annäherung zwischen Tokio und Peking: Es war das erste Mal überhaupt, dass Abe das «Belt and Road»-Projekt von Xi lobend erwähnte. Diese Nachricht wird in Peking registriert worden sein.

Ein wichtiger Grund für das Rapprochement ist in Washington zu suchen. Der Entscheid von Präsident Trump, das transpazifische Freihandelsabkommen TPP an seinem ersten Amtstag auf den Friedhof zu schicken, hat Tokio vor den Kopf gestossen. Abe hat viel politisches Kapital für TPP aufgewendet. Er – genauso wie diverse Staats- und Regierungschefs rund um den Globus – muss sich ernsthaft fragen, wie verlässlich die USA als Partner noch sind.

Der grösste strategische Gewinner von Trumps Amoklauf – dem nun auch Katar zum Opfer gefallen sein dürfte – ist nicht etwa Russland, sondern China. Xi Jinping dominiert die Weltbühne nicht nur als Verteidiger des Freihandels, sondern neuerdings auch noch Beschützer des Weltklimas.

Im Vergleich mit den USA erscheint die protektionistische Dreckschleuder China bereits als Musterknabe. Diese Feststellung müsste eigentlich jedem noch lebenden Vertreter des republikanischen Establishments – so es sie noch gibt – in Washington den Schlaf rauben.